Klinik heißt Übernachtung
Praxis, Praxisklinik, Zentrum oder Klinik: Diese Namen dürfen sich Ärztinnen nicht frei aussuchen. Wer sich Praxisklinik nennt, verspricht Betten für eine Übernachtung. Fehlen sie, ist der Name irreführend und damit verboten. So hat es das Oberlandesgericht Hamm 2018 für eine Zahnarztpraxis entschieden, und der Maßstab gilt für jedes Fach. Wer Patientinnen wirklich über Nacht behält, braucht eine eigene Genehmigung der Behörde.
Für Sie zählt, was am Abend nach dem Eingriff passiert. Die meisten Intim-OPs aus ästhetischen Gründen lassen sich ambulant machen, also ohne Übernachtung. Eine Schamlippenkorrektur gehört dazu. Eine Scheidenplastik bei einer Senkung läuft dagegen als Kassenleistung meist in einer Frauenklinik mit Aufnahme und Entlassungsbrief. Prüfen Sie deshalb nicht den Namen, sondern was der Ort für Ihren Eingriff bereithält.
- Frauenarztpraxis mit Eingriffsraum: kleinere Eingriffe in örtlicher Betäubung, kein Aufwachraum.
- Einrichtung für ambulantes Operieren: Operationen in Dämmerschlaf oder Vollnarkose, mit Operationsraum, Aufwachraum und Narkoseärztin. Das Gesundheitsamt überwacht die Hygiene.
- Privatklinik mit Genehmigung: Eingriffe mit Übernachtung, Betten und Nachtdienst.
- Krankenhaus: Senkungs-OPs und andere Eingriffe als Kassenleistung, auch mit Übernachtung.
Welche Räume und Geräte ein Operationsraum braucht
Woran sich ein Operationsort messen lässt, steht in den Regeln der Kassenärzte für ambulantes Operieren. Sie gelten nur für Praxen, die mit der Krankenkasse abrechnen, für eine selbst bezahlte Labienplastik also nicht. Sie sind aber der einzige öffentliche Maßstab. Für eine Operation verlangen sie einen Operationsraum, einen Umkleidebereich mit Waschbecken, einen Raum zum Reinigen der Instrumente und Platz für steriles Material.
- Wände, Einbauten und Geräte lassen sich feucht reinigen und desinfizieren, der Boden ist wasserdicht.
- Das Licht im Raum und über der Operation läuft bei Stromausfall weiter, ebenso die Überwachung von Herz und Atmung.
- Eine Lüftung, die zur Narkose und zur Hygiene passt.
- Geräte zur Wiederbelebung und Beatmung, Sauerstoff und Absaugung.
- Geräte für Infusionen und für einen Kreislaufschock und ein Operationstisch, auf dem Sie sicher gelagert werden.
- Notfallmedikamente griffbereit und Ersatzinstrumente.
Bei Intim-OPs liegt die Patientin meist mit gespreizten und hochgelagerten Beinen. Schäden durch falsche Lagerung zählen die Fachgesellschaften zu den möglichen Komplikationen, besonders in Vollnarkose. Kassenpraxen dürfen ambulant erst operieren, wenn die Kassenärztliche Vereinigung Räume, Hygiene und Qualifikation geprüft hat. Eine reine Privatpraxis durchläuft diese Prüfung nicht.
Wer die Narkose macht, operiert nicht gleichzeitig
Die Fachverbände der Narkoseärzte und Chirurgen sind hier eindeutig: Wer operiert, darf die Narkose nicht selbst führen. Sonst überwacht niemand ohne Unterbrechung Herz, Kreislauf und Atmung. Die Narkoseärztin ist während des Eingriffs und danach verantwortlich, bis die Wirkung nachgelassen hat. Für die Zeit danach braucht es geeignete Räume, geschultes Personal und eine Ärztin in der Nähe.
Bei einer Operation nur in örtlicher Betäubung ohne Beruhigungsmittel gilt das nicht, dann betäubt die Ärztin selbst. Sobald ein Beruhigungsmittel dazukommt, braucht es eine zweite geschulte Person, die nur überwacht. Was die Betäubungsformen unterscheidet, steht im Ratgeber Dämmerschlaf oder Vollnarkose bei der Intim-OP.
- Welche Betäubung ist für meinen Eingriff geplant, und warum diese?
- Wer macht die Betäubung, und welchen Facharzttitel hat diese Person?
- Wer überwacht während des Eingriffs Herz, Kreislauf und Atmung?
- Wer überwacht mich danach, in welchem Raum und wie lange?
- Welche Ärztin ist danach erreichbar, auch in den 24 Stunden nach dem Eingriff?
Wer die Hygiene am Operationsort kontrolliert
Jede Praxis und jede Klinik muss nach dem Gesetz alles tun, was nach dem Stand der Wissenschaft nötig ist, um Infektionen zu verhüten. Maßstab sind die Empfehlungen der Hygienekommission am Robert-Koch-Institut. Das ist eine gesetzliche Pflicht, kein freiwilliges Siegel.
Einrichtungen für ambulantes Operieren müssen ihre Hygiene zusätzlich in einem Hygieneplan festlegen. Das Gesundheitsamt überwacht sie. Bei Arztpraxen mit kleineren Eingriffen hängt die Pflicht zum Hygieneplan vom Bundesland ab, und das Gesundheitsamt kann sie überwachen, muss es aber nicht. Fragen Sie, ob die Praxis als Einrichtung für ambulantes Operieren gilt und wann das Gesundheitsamt zuletzt da war. Weicht die Praxis aus, ist das auch eine Antwort.
Was in der ersten Nacht nach der Operation zählt
Nachblutungen treten nach einer Operation am Genital vor allem in den ersten 8 bis 12 Stunden auf. Deshalb sollen Sie die ersten 24 Stunden in der Nähe der Praxis bleiben und keine Reise antreten. In dieser Zeit muss eine Ärztin jederzeit erreichbar sein. Die Entfernung zum Operationsort ist deshalb kein Komfortthema.
Die Fachverbände verlangen für Notfälle einen festen Plan, Übung im Team, die nötigen Geräte und Medikamente und eine Absprache mit einem Krankenhaus, das Sie aufnehmen kann. Dazu kommt eine Ärztin mit Namen und Telefonnummer, die 24 Stunden erreichbar ist und Ihre Unterlagen kennt.
Woran eine Praxis denkt, sehen Sie an dem, was Sie bei der Entlassung bekommen. Die Fachgesellschaften empfehlen einen Zettel mit Verhaltensregeln, dem Plan für die Nachsorge und den Kontaktdaten. Dazu kommen Schmerztabletten und sterile Kompressen für die ersten 24 Stunden. Wie die Operation selbst abläuft, steht im Ratgeber Wie eine Labienplastik abläuft.
Impressum lesen
Dort steht, ob eine Ärztin, eine GmbH oder ein Versorgungszentrum hinter dem Angebot steht.
Nach dem Raum fragen
Operationsraum oder Eingriffsraum, eigener Raum für die Instrumente, Aufwachraum. Lassen Sie sich die Antwort schriftlich geben.
Narkose klären
Wer betäubt, wer überwacht während und nach dem Eingriff. Bei Dämmerschlaf oder Vollnarkose dürfen das nicht dieselbe Person sein wie die Ärztin, die operiert.
Notfallweg erfragen
Notfallplan, Geräte zur Wiederbelebung und der Name des Krankenhauses, mit dem die Praxis zusammenarbeitet.
Erreichbarkeit prüfen
Telefonnummer und Name der Ärztin für die ersten 24 Stunden und die Fahrzeit von Ihrer Wohnung. Planen Sie die erste Nacht in der Nähe.
Mit wem Sie den Vertrag schließen
Ihr Vertragspartner ist, wer Ihnen die Operation zusagt: die Ärztin selbst, eine Gemeinschaftspraxis, eine GmbH oder ein Versorgungszentrum. Das steht im Impressum. An der Abrechnung ändert das nichts. Die Gebührenordnung für Ärzte gilt auch, wenn eine GmbH abrechnet, und ein Pauschalpreis für ärztliche Leistungen ist unwirksam. So hat es der Bundesgerichtshof 2024 entschieden.
Haben Sie Vertragspartner, Raum, Betäubung, Notfallkrankenhaus und die Nummer für die erste Nacht schriftlich, wissen Sie mehr über die Praxis als aus jedem Text auf ihrer Website.
Häufige Fragen
Ist eine Labienplastik in einer Arztpraxis so sicher wie in einer Klinik?
Ob eine Labienplastik in einer Praxis oder einer Klinik stattfindet, entscheidet nicht über die Sicherheit, die Ausstattung tut es. Nötig sind ein Operationsraum mit Notfallgeräten, Überwachung nach dem Eingriff, ein Notfallplan und ein Krankenhaus, das im Notfall aufnimmt.
Darf sich eine Praxis für Intim-OPs Klinik nennen?
Nein, eine Praxis ohne Übernachtung darf sich nicht Klinik oder Praxisklinik nennen. Das Oberlandesgericht Hamm hat das 2018 entschieden, weil der Name Betten für eine Übernachtung verspricht. Wer wirklich Patientinnen aufnimmt, braucht eine Genehmigung der Behörde.
Darf die Ärztin, die die Intim-OP macht, selbst die Narkose führen?
Nein, bei Dämmerschlaf oder Vollnarkose darf die Ärztin, die operiert, die Narkose nicht selbst führen. Sonst überwacht niemand ohne Unterbrechung Herz und Atmung. Nur bei einer reinen örtlichen Betäubung betäubt die Ärztin selbst.
Woran erkenne ich eine Einrichtung für ambulantes Operieren?
Eine Einrichtung für ambulantes Operieren hat einen eigenen Operationsraum, Räume zum Umkleiden und zum Reinigen der Instrumente, einen Aufwachraum und eine Narkoseärztin. Sie braucht einen Hygieneplan, und das Gesundheitsamt überwacht sie. Fragen Sie in der Praxis danach, ein öffentliches Verzeichnis gibt es nicht.
Muss ich nach einer ambulanten Intim-OP in der Nähe der Praxis bleiben?
Ja, nach einer ambulanten Intim-OP bleiben Sie die ersten 24 Stunden in der Nähe der Praxis und treten keine Reise an. Nachblutungen treten vor allem in den ersten 8 bis 12 Stunden auf. Name und Telefonnummer einer erreichbaren Ärztin gehören zu Ihren Entlassungsunterlagen.
