Welche Eingriffe zur Intimchirurgie zählen
Intimchirurgie ist kein eigenes Fachgebiet und kein Facharzttitel. Das Wort fasst Operationen am Genital der Frau zusammen. Die Behandlungsempfehlung der Fachgesellschaften für Frauenheilkunde und plastische Chirurgie ordnet sie nach Körperstellen: Schamhügel, große Schamlippen, kleine Schamlippen, Klitorisvorhaut, Scheide, Scheideneingang und G-Punkt. Dazu kommen Behandlungen ohne Skalpell, etwa mit Laser oder Radiowellen.
Wichtig ist zuerst der Anlass. Manche Eingriffe stellen Form und Funktion wieder her, etwa nach einer Krebsoperation, einem Unfall, einer Verletzung bei der Geburt oder einer Genitalverstümmelung. Andere verändern einen gesunden Körper nach dem Wunsch der Frau. Die ersten zahlt oft die Krankenkasse, die zweiten zahlen Sie selbst.
| Eingriff | Was gemacht wird | Wie gut untersucht | Weg ohne Operation |
|---|---|---|---|
| Verkleinerung der kleinen Schamlippen | Streifen am Rand oder Keil aus der Mitte entfernen | Mehrere Techniken beschrieben | Wissen, wie verschieden Schamlippen sind, Entzündungen behandeln |
| Straffung oder Fettabsaugung der großen Schamlippen | Haut oder Fett entfernen | Wenig Belege | Abwarten, Gewicht halten |
| Aufbau der großen Schamlippen | Eigenfett oder Hyaluron einspritzen | Wenig Belege | Abwarten |
| Straffung des Schamhügels | Fett absaugen, Haut straffen | Einteilung nach Schweregrad beschrieben | Gewicht halten |
| Klitorisvorhautkorrektur | Haut der Vorhaut verkleinern | Wenig Belege | Verzicht |
| Straffung der Scheide durch Operation | Gewebe raffen, Scheide verengen | Bei einer Senkung eigene Behandlungsempfehlung | Beckenbodentraining, Pessar |
| Laser oder Radiowellen in der Scheide | Gewebe erwärmen | Ohne Befund keine guten Studien | Beckenbodentraining |
| Hymenrekonstruktion | Reste des Jungfernhäutchens vernähen | Kein Standard | Beratung |
| Unterspritzung des G-Punkts | Hyaluron oder Eigenfett in die vordere Scheidenwand | Der G-Punkt ist nicht einmal klar definiert | Verzicht, Sexualberatung |
Wie gut jeder Eingriff untersucht ist
Die Behandlungsempfehlung beruht auf der Einigung von Fachleuten, nicht auf einer systematischen Bewertung von Studien. Sie beschreibt Techniken und nennt, wann ein Eingriff sinnvoll ist. Wo sie selbst schreibt, dass es wenig Belege gibt, fehlen gute Studien.
Am besten beschrieben ist die Verkleinerung der kleinen Schamlippen. Die Ärztin schneidet entweder einen Streifen am Rand ab oder ein keilförmiges Stück aus der Mitte. Ragen die Schamlippen mehr als 2 Zentimeter hervor, halten die Fachgesellschaften den Keil für passend. Steht die Klitorisvorhaut stark vor, kann sie danach weiter vorstehen. Wie Sie selbst einschätzen, ob Ihre Schamlippen in der normalen Spannbreite liegen, erklärt der Ratgeber Sind meine Schamlippen normal.
Für Eingriffe an den großen Schamlippen gibt es nach der Behandlungsempfehlung bisher wenig Belege, für die Klitorisvorhaut ebenfalls. Für den G-Punkt gibt es nicht einmal eine einheitliche Beschreibung, wo er liegt. Am deutlichsten wird die Empfehlung bei Laser und Radiowellen: Ohne medizinischen Befund gibt es keine guten Studien zu Wirkung und Nebenwirkungen. Die Fachgesellschaften raten, diese Verfahren nur in Studien anzubieten. Mehr dazu steht im Ratgeber Vaginallaser, was belegt ist.
Wie häufig Intim-OPs in Deutschland sind
Eine amtliche Zahl gibt es nicht, weil Schönheitsoperationen nicht gemeldet werden. Zwei Erhebungen geben eine Größenordnung. Die Deutsche Gesellschaft für Ästhetisch-Plastische Chirurgie befragt jedes Jahr Patientinnen und Patienten ihrer Mitglieder. In der Befragung 2025 mit 4.548 Fragebögen entfielen 5,2 Prozent aller Eingriffe auf die Intimchirurgie, im Jahr davor 3,5 Prozent. Bei Frauen waren es 6,0 Prozent, bei Frauen unter 30 Jahren 11,8 Prozent.
Die Fachgesellschaft betont, dass viele dieser Eingriffe nicht rein ästhetisch sind. Oft geht es um Schmerzen, Reizungen, ungewollten Urinverlust oder eine starke seelische Belastung. Die internationale Gesellschaft für ästhetische plastische Chirurgie schätzt für 2024 weltweit 210.633 Verkleinerungen der Schamlippen durch plastische Chirurgen, für Deutschland 7.400. Eingriffe durch Frauenärztinnen fehlen in dieser Zählung. Die echte Zahl liegt also höher.
Wann eine Intim-OP nötig ist und wann nicht
Viele Befunde, wegen derer Frauen nach einer Intim-OP fragen, müssen nicht behandelt werden. Größere kleine Schamlippen sind nach der Behandlungsempfehlung im Allgemeinen harmlos. Deshalb hat eine Verkleinerung meist ästhetische Gründe. Anders ist es, wenn die Schamlippen immer wieder gereizt sind und Beschwerden machen, die eine Ärztin feststellen kann. Dann können Sie bei der Krankenkasse beantragen, dass sie die Kosten übernimmt.
Manche Frauen sehen an ihrem Körper einen Makel, den andere kaum bemerken, und leiden stark darunter. Ärztinnen sprechen dann von einer Körperbildstörung. In diesem Fall raten die Fachgesellschaften von einer Operation ab. Hilfe bekommen Sie zuerst bei einer Psychotherapeutin. Auch wenn die Erwartung an das Ergebnis unrealistisch ist oder jemand anderes Sie zur Operation drängt, soll die Ärztin nicht operieren. Bei Mädchen und Jugendlichen sollen Eingriffe ohne medizinischen Grund nicht gemacht werden.
Was als normal gilt, hängt auch davon ab, welche Bilder man sieht. In einer Studie zeigten Forscherinnen Frauen Bilder von Schamlippen nach einer Operation. Danach hielten diese Frauen Schamlippen normaler Größe viel häufiger für krankhaft als Frauen, die andere Bilder gesehen hatten.
Haben Sie körperliche Beschwerden, die eine Frauenärztin festgestellt hat, etwa Entzündungen oder Schmerzen beim Sitzen, Sport oder Sex?
Haben Sie Pflege, andere Kleidung oder eine Behandlung der Entzündungen schon ohne Erfolg versucht?
Dann kann ein medizinischer Grund vorliegen. Lassen Sie Befund und Beschwerden aufschreiben und beantragen Sie die Kostenübernahme, bevor Sie einen Operationstermin vereinbaren.
Versuchen Sie zuerst den Weg ohne Operation. Auch die Krankenkasse prüft, ob er ausgeschöpft ist.
Kommt der Wunsch von Ihnen selbst, und wissen Sie, wie verschieden Schamlippen aussehen?
Dann ist es eine ästhetische Entscheidung, die Sie selbst bezahlen. Nehmen Sie sich nach dem Aufklärungsgespräch mehr als 24 Stunden Bedenkzeit.
Dann ist eine Operation nicht der erste Schritt. Ein Beratungsgespräch ohne Operationstermin hilft Ihnen weiter.
Welche Wege es ohne Operation gibt
Ihre Ärztin muss auch die Wege ohne Operation mit Ihnen besprechen, wenn es welche gibt. Das gehört zur Aufklärung. Welcher Weg passt, hängt vom Befund ab.
- Bei größeren kleinen Schamlippen ohne Beschwerden: wissen, wie verschieden Schamlippen sind. In einer Messstudie an 50 Frauen schwankten alle Maße am Genital stark, unabhängig von Alter, Geburten oder Herkunft.
- Bei Reibung und Entzündungen: die Entzündung behandeln, die Haut pflegen und andere Kleidung tragen.
- Bei leicht vergrößerten kleinen Schamlippen: Ein Aufbau der großen Schamlippen mit Eigenfett kann die Proportionen so verbessern, dass eine Verkleinerung nicht nötig ist.
- Bei einem Weitegefühl oder einer Senkung nach einer Geburt: Beckenbodentraining und ein Pessar. Bei Kinderwunsch steht diese Behandlung im Vordergrund.
- Bei Unzufriedenheit mit dem Aussehen ohne Beschwerden: ein Beratungsgespräch, in dem es zuerst um Ihre Erwartungen geht.
So prüfen Sie ein Angebot für eine Intim-OP
Liegt Ihnen ein Angebot vor, können Sie es in sechs Schritten prüfen. Jede Antwort der Praxis gehört in Ihre Aufklärungsunterlagen. Davon bekommen Sie eine Kopie.
- Lassen Sie den Befund mit Namen und Maßen benennen: Was genau ist betroffen, und wie weit weicht es vom Üblichen ab?
- Klären Sie den Anlass: Bei Beschwerden, die eine Ärztin festgestellt hat, ist ein Antrag bei der Krankenkasse möglich, sonst zahlen Sie selbst.
- Fragen Sie, wie gut der Eingriff untersucht ist. Bei Laser und Radiowellen ohne Befund lautet die ehrliche Antwort: nur in Studien.
- Fragen Sie nach dem Weg ohne Operation und ob er schon versucht wurde.
- Achten Sie darauf, dass die Aufklärung diese Risiken nennt: Entzündung, verändertes Gefühl, Schmerzen beim Sex, Verwachsungen, Narben und Veränderungen der Sexualität.
- Nehmen Sie sich mehr als 24 Stunden Bedenkzeit und holen Sie bei Zweifeln eine zweite Meinung ein.
Häufige Fragen
Welche Eingriffe gehören zur Intimchirurgie der Frau?
Zur Intimchirurgie der Frau gehören die Verkleinerung der kleinen Schamlippen, Straffung, Fettabsaugung und Aufbau der großen Schamlippen, die Straffung des Schamhügels, die Klitorisvorhautkorrektur und die Straffung der Scheide. Dazu kommen die Hymenrekonstruktion, die Unterspritzung des G-Punkts sowie Behandlungen mit Laser und Radiowellen. Auch Wiederherstellungen nach Krebs, Unfall oder Genitalverstümmelung zählen dazu.
Welcher Eingriff der Intimchirurgie ist am häufigsten?
Die Verkleinerung der kleinen Schamlippen, die Labienplastik, ist der häufigste Eingriff der Intimchirurgie. Für 2024 schätzt eine internationale Fachgesellschaft weltweit 210.633 Labienplastiken durch plastische Chirurgen, für Deutschland 7.400. Eine amtliche Statistik gibt es nicht.
Gibt es eine Behandlungsempfehlung für Intimchirurgie?
Ja, die Fachgesellschaften für Frauenheilkunde und plastische Chirurgie aus Deutschland, Österreich und der Schweiz haben 2022 eine gemeinsame Behandlungsempfehlung veröffentlicht. Sie beschreibt die Techniken für jede Körperstelle und sagt, wann ein Eingriff sinnvoll ist. Sie beruht auf der Einigung von Fachleuten, nicht auf großen Studien.
Zahlt die Krankenkasse eine Intim-OP?
Die Krankenkasse zahlt eine Intim-OP nur, wenn eine Krankheit vorliegt, etwa Beschwerden durch sehr große Schamlippen, die eine Ärztin festgestellt hat. Auch Wiederherstellungen nach Krebs, Unfall oder Genitalverstümmelung gehören dazu. Eingriffe aus rein ästhetischen Gründen zahlen Sie selbst.
Dürfen Jugendliche eine Schamlippenkorrektur machen lassen?
Bei Mädchen und Jugendlichen sollen Eingriffe am Genital ohne medizinischen Grund nicht gemacht werden. So steht es in der Behandlungsempfehlung der Fachgesellschaften. Bei Beschwerden, die eine Ärztin feststellt, gilt dieselbe Prüfung wie bei Erwachsenen.
