Intimchirurgie

Ratgeber

Welche Eingriffe zur Intimchirurgie gehören

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Zur Intimchirurgie zählen Eingriffe an den kleinen und großen Schamlippen, an der Klitorisvorhaut, am Schamhügel und an der Scheide. Am besten untersucht ist die Verkleinerung der kleinen Schamlippen. Für viele andere Eingriffe gibt es kaum gute Studien. Die Krankenkasse zahlt nur, wenn Sie körperliche Beschwerden haben.

Anteil an Schönheits-OPs, Frauen unter 30
11,8 Prozent
DGÄPC-Statistik 2025, 4.548 Fragebögen, Oktober 2024 bis Oktober 2025, Stand 31. Oktober 2025
Labienplastiken in Deutschland, Schätzung
7.400 Eingriffe im Jahr 2024
ISAPS International Survey on Aesthetic/Cosmetic Procedures 2024, Stand 31. Dezember 2024
Keiltechnik passend ab einem Überstand
2 Zentimeter
S2k-Leitlinie 009-019, Kapitel 4.3.1, Stand 1. August 2022
Ein aufgeschlagenes Buch mit Zeichnungen von Pflanzen und eine Lesebrille auf einem Holztisch.
Wie gut ein Eingriff untersucht ist, unterscheidet sich stark. Bild: KI generiert.

Welche Eingriffe zur Intimchirurgie zählen

Intimchirurgie ist kein eigenes Fachgebiet und kein Facharzttitel. Das Wort fasst Operationen am Genital der Frau zusammen. Die Behandlungsempfehlung der Fachgesellschaften für Frauenheilkunde und plastische Chirurgie ordnet sie nach Körperstellen: Schamhügel, große Schamlippen, kleine Schamlippen, Klitorisvorhaut, Scheide, Scheideneingang und G-Punkt. Dazu kommen Behandlungen ohne Skalpell, etwa mit Laser oder Radiowellen.

Wichtig ist zuerst der Anlass. Manche Eingriffe stellen Form und Funktion wieder her, etwa nach einer Krebsoperation, einem Unfall, einer Verletzung bei der Geburt oder einer Genitalverstümmelung. Andere verändern einen gesunden Körper nach dem Wunsch der Frau. Die ersten zahlt oft die Krankenkasse, die zweiten zahlen Sie selbst.

Die Eingriffe der Intimchirurgie, wie gut sie untersucht sind und welcher Weg ohne Operation infrage kommt.
EingriffWas gemacht wirdWie gut untersuchtWeg ohne Operation
Verkleinerung der kleinen SchamlippenStreifen am Rand oder Keil aus der Mitte entfernenMehrere Techniken beschriebenWissen, wie verschieden Schamlippen sind, Entzündungen behandeln
Straffung oder Fettabsaugung der großen SchamlippenHaut oder Fett entfernenWenig BelegeAbwarten, Gewicht halten
Aufbau der großen SchamlippenEigenfett oder Hyaluron einspritzenWenig BelegeAbwarten
Straffung des SchamhügelsFett absaugen, Haut straffenEinteilung nach Schweregrad beschriebenGewicht halten
KlitorisvorhautkorrekturHaut der Vorhaut verkleinernWenig BelegeVerzicht
Straffung der Scheide durch OperationGewebe raffen, Scheide verengenBei einer Senkung eigene BehandlungsempfehlungBeckenbodentraining, Pessar
Laser oder Radiowellen in der ScheideGewebe erwärmenOhne Befund keine guten StudienBeckenbodentraining
HymenrekonstruktionReste des Jungfernhäutchens vernähenKein StandardBeratung
Unterspritzung des G-PunktsHyaluron oder Eigenfett in die vordere ScheidenwandDer G-Punkt ist nicht einmal klar definiertVerzicht, Sexualberatung

Wie gut jeder Eingriff untersucht ist

Die Behandlungsempfehlung beruht auf der Einigung von Fachleuten, nicht auf einer systematischen Bewertung von Studien. Sie beschreibt Techniken und nennt, wann ein Eingriff sinnvoll ist. Wo sie selbst schreibt, dass es wenig Belege gibt, fehlen gute Studien.

Am besten beschrieben ist die Verkleinerung der kleinen Schamlippen. Die Ärztin schneidet entweder einen Streifen am Rand ab oder ein keilförmiges Stück aus der Mitte. Ragen die Schamlippen mehr als 2 Zentimeter hervor, halten die Fachgesellschaften den Keil für passend. Steht die Klitorisvorhaut stark vor, kann sie danach weiter vorstehen. Wie Sie selbst einschätzen, ob Ihre Schamlippen in der normalen Spannbreite liegen, erklärt der Ratgeber Sind meine Schamlippen normal.

Für Eingriffe an den großen Schamlippen gibt es nach der Behandlungsempfehlung bisher wenig Belege, für die Klitorisvorhaut ebenfalls. Für den G-Punkt gibt es nicht einmal eine einheitliche Beschreibung, wo er liegt. Am deutlichsten wird die Empfehlung bei Laser und Radiowellen: Ohne medizinischen Befund gibt es keine guten Studien zu Wirkung und Nebenwirkungen. Die Fachgesellschaften raten, diese Verfahren nur in Studien anzubieten. Mehr dazu steht im Ratgeber Vaginallaser, was belegt ist.

Wie häufig Intim-OPs in Deutschland sind

Eine amtliche Zahl gibt es nicht, weil Schönheitsoperationen nicht gemeldet werden. Zwei Erhebungen geben eine Größenordnung. Die Deutsche Gesellschaft für Ästhetisch-Plastische Chirurgie befragt jedes Jahr Patientinnen und Patienten ihrer Mitglieder. In der Befragung 2025 mit 4.548 Fragebögen entfielen 5,2 Prozent aller Eingriffe auf die Intimchirurgie, im Jahr davor 3,5 Prozent. Bei Frauen waren es 6,0 Prozent, bei Frauen unter 30 Jahren 11,8 Prozent.

Die Fachgesellschaft betont, dass viele dieser Eingriffe nicht rein ästhetisch sind. Oft geht es um Schmerzen, Reizungen, ungewollten Urinverlust oder eine starke seelische Belastung. Die internationale Gesellschaft für ästhetische plastische Chirurgie schätzt für 2024 weltweit 210.633 Verkleinerungen der Schamlippen durch plastische Chirurgen, für Deutschland 7.400. Eingriffe durch Frauenärztinnen fehlen in dieser Zählung. Die echte Zahl liegt also höher.

Wann eine Intim-OP nötig ist und wann nicht

Viele Befunde, wegen derer Frauen nach einer Intim-OP fragen, müssen nicht behandelt werden. Größere kleine Schamlippen sind nach der Behandlungsempfehlung im Allgemeinen harmlos. Deshalb hat eine Verkleinerung meist ästhetische Gründe. Anders ist es, wenn die Schamlippen immer wieder gereizt sind und Beschwerden machen, die eine Ärztin feststellen kann. Dann können Sie bei der Krankenkasse beantragen, dass sie die Kosten übernimmt.

Manche Frauen sehen an ihrem Körper einen Makel, den andere kaum bemerken, und leiden stark darunter. Ärztinnen sprechen dann von einer Körperbildstörung. In diesem Fall raten die Fachgesellschaften von einer Operation ab. Hilfe bekommen Sie zuerst bei einer Psychotherapeutin. Auch wenn die Erwartung an das Ergebnis unrealistisch ist oder jemand anderes Sie zur Operation drängt, soll die Ärztin nicht operieren. Bei Mädchen und Jugendlichen sollen Eingriffe ohne medizinischen Grund nicht gemacht werden.

Was als normal gilt, hängt auch davon ab, welche Bilder man sieht. In einer Studie zeigten Forscherinnen Frauen Bilder von Schamlippen nach einer Operation. Danach hielten diese Frauen Schamlippen normaler Größe viel häufiger für krankhaft als Frauen, die andere Bilder gesehen hatten.

Muss mein Befund behandelt werden?

Haben Sie körperliche Beschwerden, die eine Frauenärztin festgestellt hat, etwa Entzündungen oder Schmerzen beim Sitzen, Sport oder Sex?

Ja

Haben Sie Pflege, andere Kleidung oder eine Behandlung der Entzündungen schon ohne Erfolg versucht?

Ja

Dann kann ein medizinischer Grund vorliegen. Lassen Sie Befund und Beschwerden aufschreiben und beantragen Sie die Kostenübernahme, bevor Sie einen Operationstermin vereinbaren.

Nein

Versuchen Sie zuerst den Weg ohne Operation. Auch die Krankenkasse prüft, ob er ausgeschöpft ist.

Nein

Kommt der Wunsch von Ihnen selbst, und wissen Sie, wie verschieden Schamlippen aussehen?

Ja

Dann ist es eine ästhetische Entscheidung, die Sie selbst bezahlen. Nehmen Sie sich nach dem Aufklärungsgespräch mehr als 24 Stunden Bedenkzeit.

Nein

Dann ist eine Operation nicht der erste Schritt. Ein Beratungsgespräch ohne Operationstermin hilft Ihnen weiter.

Welche Wege es ohne Operation gibt

Ihre Ärztin muss auch die Wege ohne Operation mit Ihnen besprechen, wenn es welche gibt. Das gehört zur Aufklärung. Welcher Weg passt, hängt vom Befund ab.

  • Bei größeren kleinen Schamlippen ohne Beschwerden: wissen, wie verschieden Schamlippen sind. In einer Messstudie an 50 Frauen schwankten alle Maße am Genital stark, unabhängig von Alter, Geburten oder Herkunft.
  • Bei Reibung und Entzündungen: die Entzündung behandeln, die Haut pflegen und andere Kleidung tragen.
  • Bei leicht vergrößerten kleinen Schamlippen: Ein Aufbau der großen Schamlippen mit Eigenfett kann die Proportionen so verbessern, dass eine Verkleinerung nicht nötig ist.
  • Bei einem Weitegefühl oder einer Senkung nach einer Geburt: Beckenbodentraining und ein Pessar. Bei Kinderwunsch steht diese Behandlung im Vordergrund.
  • Bei Unzufriedenheit mit dem Aussehen ohne Beschwerden: ein Beratungsgespräch, in dem es zuerst um Ihre Erwartungen geht.

So prüfen Sie ein Angebot für eine Intim-OP

Liegt Ihnen ein Angebot vor, können Sie es in sechs Schritten prüfen. Jede Antwort der Praxis gehört in Ihre Aufklärungsunterlagen. Davon bekommen Sie eine Kopie.

  1. Lassen Sie den Befund mit Namen und Maßen benennen: Was genau ist betroffen, und wie weit weicht es vom Üblichen ab?
  2. Klären Sie den Anlass: Bei Beschwerden, die eine Ärztin festgestellt hat, ist ein Antrag bei der Krankenkasse möglich, sonst zahlen Sie selbst.
  3. Fragen Sie, wie gut der Eingriff untersucht ist. Bei Laser und Radiowellen ohne Befund lautet die ehrliche Antwort: nur in Studien.
  4. Fragen Sie nach dem Weg ohne Operation und ob er schon versucht wurde.
  5. Achten Sie darauf, dass die Aufklärung diese Risiken nennt: Entzündung, verändertes Gefühl, Schmerzen beim Sex, Verwachsungen, Narben und Veränderungen der Sexualität.
  6. Nehmen Sie sich mehr als 24 Stunden Bedenkzeit und holen Sie bei Zweifeln eine zweite Meinung ein.

Häufige Fragen

Welche Eingriffe gehören zur Intimchirurgie der Frau?

Zur Intimchirurgie der Frau gehören die Verkleinerung der kleinen Schamlippen, Straffung, Fettabsaugung und Aufbau der großen Schamlippen, die Straffung des Schamhügels, die Klitorisvorhautkorrektur und die Straffung der Scheide. Dazu kommen die Hymenrekonstruktion, die Unterspritzung des G-Punkts sowie Behandlungen mit Laser und Radiowellen. Auch Wiederherstellungen nach Krebs, Unfall oder Genitalverstümmelung zählen dazu.

Welcher Eingriff der Intimchirurgie ist am häufigsten?

Die Verkleinerung der kleinen Schamlippen, die Labienplastik, ist der häufigste Eingriff der Intimchirurgie. Für 2024 schätzt eine internationale Fachgesellschaft weltweit 210.633 Labienplastiken durch plastische Chirurgen, für Deutschland 7.400. Eine amtliche Statistik gibt es nicht.

Gibt es eine Behandlungsempfehlung für Intimchirurgie?

Ja, die Fachgesellschaften für Frauenheilkunde und plastische Chirurgie aus Deutschland, Österreich und der Schweiz haben 2022 eine gemeinsame Behandlungsempfehlung veröffentlicht. Sie beschreibt die Techniken für jede Körperstelle und sagt, wann ein Eingriff sinnvoll ist. Sie beruht auf der Einigung von Fachleuten, nicht auf großen Studien.

Zahlt die Krankenkasse eine Intim-OP?

Die Krankenkasse zahlt eine Intim-OP nur, wenn eine Krankheit vorliegt, etwa Beschwerden durch sehr große Schamlippen, die eine Ärztin festgestellt hat. Auch Wiederherstellungen nach Krebs, Unfall oder Genitalverstümmelung gehören dazu. Eingriffe aus rein ästhetischen Gründen zahlen Sie selbst.

Dürfen Jugendliche eine Schamlippenkorrektur machen lassen?

Bei Mädchen und Jugendlichen sollen Eingriffe am Genital ohne medizinischen Grund nicht gemacht werden. So steht es in der Behandlungsempfehlung der Fachgesellschaften. Bei Beschwerden, die eine Ärztin feststellt, gilt dieselbe Prüfung wie bei Erwachsenen.

Quellen und Methodik

Quellen und Lizenzen

  1. S2k-Leitlinie Rekonstruktive und ästhetische Operationen des weiblichen Genitale, AWMF-Registernummer 009-019, Version 1.1, Stand August 2022 (Kapitel 1, 3, 4, 5, 6, 8, 9, 10), Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) mit DGPRÄC, OEGGG und SGGG,
  2. S3-Leitlinie Diagnostik und Therapie des Descensus genitalis der Frau, AWMF-Registernummer 015-006, Version 6.0, März 2026 (Kapitel 3.2, 3.3, 11.2), Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG), OEGGG, SGGG,
  3. S2k-Leitlinie Harninkontinenz der Frau, AWMF-Registernummer 015-091, Version 1.0, Dezember 2021 (Kapitel 4.3 bis 4.6), Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG), OEGGG, SGGG,
  4. § 27 SGB V, Krankenbehandlung, Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de,
  5. § 630e BGB, Aufklärungspflichten, Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de,
  6. Heilmittelwerbegesetz, § 3 und § 11, Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de,
  7. DGÄPC-Statistik 2025 (Erhebung Oktober 2024 bis Oktober 2025, 4.548 Fragebögen, Anteil Intimchirurgie), Deutsche Gesellschaft für Ästhetisch-Plastische Chirurgie (DGÄPC),
  8. ISAPS International Survey on Aesthetic/Cosmetic Procedures Performed in 2024 (Labiaplasty, Surgical Vaginal Rejuvenation, Other Outer Genital Surgery, Länderdaten Deutschland), International Society of Aesthetic Plastic Surgery (ISAPS),
  9. Female genital appearance: normality unfolds (Lloyd, Crouch, Minto, Liao, Creighton), BJOG 2005;112(5):643-646, DOI 10.1111/j.1471-0528.2004.00517.x, BJOG, Royal College of Obstetricians and Gynaecologists,
  10. Effect of Fractional Carbon Dioxide Laser vs Sham Treatment on Symptom Severity in Women With Postmenopausal Vaginal Symptoms (Li und andere), JAMA 2021;326(14):1381-1389, DOI 10.1001/jama.2021.14892, PMID 34636862, JAMA, American Medical Association,
  11. Stellungnahme der Zentralen Ethikkommission bei der Bundesärztekammer: Ärztliche Behandlungen ohne Krankheitsbezug unter besonderer Berücksichtigung der ästhetischen Chirurgie (2012), Zentrale Ethikkommission bei der Bundesärztekammer,

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Stand dieser Angaben: 3. Oktober 2026.