Wie ein Vaginallaser wirken soll
Ein Vaginallaser ist ein Gerät mit einer Sonde, die in die Scheide eingeführt wird. Sie erwärmt die Scheidenwand mit Licht. Es gibt verschiedene Laser, manche tragen winzige Punkte der Schleimhaut ab, andere erwärmen nur tiefer liegendes Gewebe. Ähnlich arbeiten Geräte mit Radiowellen.
Die Wärme soll den Körper dazu bringen, neues Bindegewebe zu bilden. Eine festere Scheidenwand soll Blase und Harnröhre besser stützen. Eine dickere Schleimhaut soll weniger trocken sein, und eine straffere Scheide soll sich weniger weit anfühlen. Ob das beim Menschen dauerhaft gelingt und Beschwerden messbar lindert, müssen Studien zeigen.
- Weitegefühl: Die Scheide fühlt sich schlaff oder weit an, etwa nach einer Geburt, ohne dass eine Senkung vorliegt.
- Trockenheit nach den Wechseljahren: Die Schleimhaut wird dünner, es kommt zu Schmerzen beim Sex, Juckreiz, Brennen und Blasenbeschwerden.
- Blasenschwäche bei Belastung: Urin geht beim Husten, Niesen, Heben oder Springen verloren.
Was die verblindete Studie zum Vaginallaser zeigt
Die aussagekräftigste Studie zum Laser bei Beschwerden nach den Wechseljahren erschien 2021 in einer US-amerikanischen Fachzeitschrift. Ein Team in Sydney teilte 85 Frauen per Los in zwei Gruppen. Die eine Gruppe bekam drei Behandlungen mit einem Laser, die andere eine Scheinbehandlung. Weder die Frauen noch die Auswertenden wussten, wer was bekommen hatte. So lässt sich ausschließen, dass Erwartungen das Ergebnis erklären.
Nach 12 Monaten gab es keinen bedeutsamen Unterschied zwischen Laser und Scheinbehandlung. Beide Gruppen berichteten von einer Besserung. Auf einer Skala von 0 bis 100 sanken die Beschwerden mit Laser um 17,2 Punkte, mit Scheinbehandlung um 26,6 Punkte. Dieser Unterschied war statistisch nicht bedeutsam.
Eine einzelne Studie beendet die Debatte nicht. Sie galt für einen bestimmten Laser bei Beschwerden nach den Wechseljahren, nicht für jedes Gerät und jede Beschwerde. Die britische Gesundheitsbehörde NICE kommt aber zum selben vorsichtigen Ergebnis. Bei Trockenheit nach den Wechseljahren soll der Laser nur in der Forschung eingesetzt werden. Für Sicherheit und Wirkung auf lange Sicht gibt es zu wenig gute Belege.
Was Fachgesellschaften zum Vaginallaser empfehlen
Die Empfehlungen hängen davon ab, wofür der Laser eingesetzt wird. Für eine Straffung der Scheide ohne medizinischen Befund gibt es nach den deutschen Fachgesellschaften für Frauenheilkunde und plastische Chirurgie keine guten Studien zu Wirkung und Nebenwirkungen. Sie empfehlen den Laser dafür nur im Rahmen von Studien.
Etwas offener ist die deutsche Behandlungsempfehlung zur Blasenschwäche. Bei leichter bis mittlerer Blasenschwäche unter Belastung kann der Laser angeboten werden. Zwei kleine Vergleichsstudien zeigten über bis zu 3 Monate einen Vorteil. Nach 6 bis 12 Monaten fühlten sich in Beobachtungsstudien 38 bis 77 Prozent der Frauen geheilt, allerdings ohne Vergleichsgruppe. Für eine schwere Blasenschwäche ist der Laser nach dieser Empfehlung nicht geeignet. NICE empfiehlt ihn auch bei Blasenschwäche nur in der Forschung.
| Wofür | Wer empfiehlt | Empfehlung |
|---|---|---|
| Straffung ohne Befund | Deutsche Fachgesellschaften für Frauenheilkunde und plastische Chirurgie | Nur in Studien |
| Leichte bis mittlere Blasenschwäche | Deutsche Behandlungsempfehlung zur Harninkontinenz | Kann angeboten werden |
| Schwere Blasenschwäche | Deutsche Behandlungsempfehlung zur Harninkontinenz | Nicht geeignet |
| Blasenschwäche | Britische Gesundheitsbehörde NICE | Nur in der Forschung |
| Trockenheit nach den Wechseljahren | Britische Gesundheitsbehörde NICE | Nur in der Forschung |
Welche Nebenwirkungen ein Vaginallaser haben kann
Kurzfristig gilt der Laser als gut verträglich. Über die Sicherheit auf lange Sicht weiß niemand genug. In der verblindeten Studie traten Nebenwirkungen nach Laser und Scheinbehandlung etwa gleich oft auf, vor allem Schmerzen oder ein unangenehmes Gefühl in der Scheide, Schmierblutungen, Ausfluss und Blasenbeschwerden. Schwere Nebenwirkungen gab es dort keine.
Dass es auch schwere Verläufe gibt, zeigen Meldungen an eine Datenbank der US-Behörde FDA. Zwischen Oktober 2015 und Januar 2019 gingen dort 45 Meldungen zu Laser- und ähnlichen Geräten für die Vaginalverjüngung ein. Am häufigsten ging es um Schmerzen an Scheide, Blase oder Harnröhre. 33 Betroffene berichteten von Folgen, die anhielten. Wie oft das bezogen auf alle Behandlungen vorkommt, zeigt eine solche Datenbank nicht.
- Schmerzen oder ein unangenehmes Gefühl in der Scheide während und nach der Behandlung.
- Schmierblutungen und Ausfluss in den Tagen danach.
- Blasenbeschwerden und Harnwegsinfekte.
- Selten anhaltende Folgen wie Dauerschmerz, Taubheit oder Brennen.
- Kosten für wiederholte Sitzungen bei unklarem Nutzen.
Wer den Vaginallaser bezahlt und wer ihn anwenden darf
Die Krankenkasse bezahlt den Vaginallaser nicht. Laserbehandlungen an Scheide und Blase gehören nach der deutschen Behandlungsempfehlung nicht zu ihren Pflichtleistungen. Sie zahlen also selbst, meist für mehrere Sitzungen. Weiß die Praxis, dass die Kasse nicht zahlt, muss sie Ihnen die Kosten vorher in Textform nennen.
Laser, die Gewebe abtragen oder die Haut verletzen, dürfen nach einer Verordnung zum Strahlenschutz nur Ärztinnen und Ärzte mit passender Weiterbildung anwenden. Die Behandlung von Beschwerden wie Blasenschwäche ist außerdem Heilkunde. In einem Kosmetikstudio hat ein solcher Laser in der Scheide nichts zu suchen.
- Lassen Sie von Ihrer Frauenärztin klären, welche Beschwerde Sie haben und wie stark sie ist.
- Fragen Sie, welche Behandlung zuerst vorgesehen ist und ob Sie sie schon ausprobiert haben.
- Lassen Sie sich Gerät, Zahl der Sitzungen und den Abstand dazwischen nennen.
- Fragen Sie, auf welche Studie mit Scheinbehandlung sich die Praxis stützt.
- Verlangen Sie die Kosten aller Sitzungen vorher schriftlich.
- Prüfen Sie, ob eine Ärztin behandelt.
Welche Behandlungen vor dem Vaginallaser kommen
Für alle drei Beschwerden gibt es Behandlungen mit besseren Belegen, die vor einem Laser kommen. Bei Blasenschwäche unter Belastung beginnt die Behandlung nach der deutschen Empfehlung immer ohne Operation, mit Beckenbodentraining, Hormoncreme für die Scheide oder einem Pessar. Ein Pessar ist ein Ring oder eine Schale, die in die Scheide eingesetzt wird und Blase und Gebärmutter stützt. Bei einer Senkung nach der Geburt stehen Beckenbodentraining und Pessar ebenfalls an erster Stelle.
Wie Sie ein Weitegefühl oder eine Senkung nach einer Geburt einordnen, erklärt der Ratgeber zur Vaginalstraffung nach der Geburt. Einen Überblick über alle Eingriffe im Intimbereich gibt der Ratgeber zu den Eingriffen der Intimchirurgie.
Hat eine Frauenärztin Ihre Beschwerde untersucht und benannt?
Haben Sie die zuerst vorgesehene Behandlung einige Monate lang ausprobiert, etwa Beckenbodentraining, Hormoncreme oder ein Pessar?
Bei leichter bis mittlerer Blasenschwäche ist der Laser eine Möglichkeit, die Sie selbst bezahlen und für die es keine Langzeitdaten gibt. Bei Trockenheit nach den Wechseljahren fragen Sie besser nach einer Studie.
Beginnen Sie mit der zuerst vorgesehenen Behandlung. Sie ist besser belegt, und die Krankenkasse zahlt sie.
Lassen Sie zuerst untersuchen, was hinter Ihren Beschwerden steckt. Für eine Straffung ohne Befund empfehlen die Fachgesellschaften den Laser nur in Studien.
Häufige Fragen
Hilft ein Vaginallaser gegen Scheidentrockenheit in den Wechseljahren?
In der bisher besten Studie half ein Vaginallaser nicht besser als eine Scheinbehandlung. Nach 12 Monaten fand die Studie mit 85 Frauen keinen bedeutsamen Unterschied. Die britische Gesundheitsbehörde NICE empfiehlt den Laser dafür nur in der Forschung.
Hilft ein Vaginallaser gegen Blasenschwäche beim Husten oder Niesen?
Bei leichter bis mittlerer Blasenschwäche kann er nach der deutschen Behandlungsempfehlung angeboten werden, gestützt vor allem auf Studien ohne Vergleichsgruppe. Bei schwerer Blasenschwäche ist er nicht geeignet. Die britische Behörde NICE empfiehlt ihn nur in der Forschung, weil Langzeitdaten fehlen.
Zahlt die Krankenkasse eine Laserbehandlung der Scheide?
Nein, die Krankenkasse zahlt eine Laserbehandlung der Scheide nicht. Sie gehört nicht zu den Pflichtleistungen. Die Praxis muss Ihnen die Kosten vorher in Textform nennen.
Welche Nebenwirkungen hat eine Laserbehandlung der Scheide?
Nach einer Laserbehandlung der Scheide kommen vor allem Schmerzen, Schmierblutungen, Ausfluss und Blasenbeschwerden vor. In der verblindeten Studie waren sie nach Laser und Scheinbehandlung ähnlich häufig. In den USA wurden auch anhaltende Folgen wie Dauerschmerz gemeldet.
Darf eine Kosmetikerin einen Vaginallaser anwenden?
Nein, Laser, die Gewebe abtragen oder die Haut verletzen, dürfen nur Ärztinnen und Ärzte mit passender Weiterbildung anwenden. Die Behandlung von Beschwerden wie Blasenschwäche ist außerdem Heilkunde. Eine Kosmetikerin darf das nicht.
