Intimchirurgie

Ratgeber

Vaginallaser, was bei Trockenheit und Inkontinenz belegt ist

Veröffentlicht am , zuletzt aktualisiert am

Ein Vaginallaser erwärmt die Scheidenwand, damit sich neues Bindegewebe bildet. Ob das Beschwerden lindert, ist kaum belegt. Gegen Trockenheit nach den Wechseljahren wirkte er in einer verblindeten Studie nach 12 Monaten nicht besser als eine Scheinbehandlung. Für eine Straffung ohne Befund empfehlen die Fachgesellschaften ihn nur in Studien. Die Krankenkasse zahlt ihn nicht.

Frauen in der verblindeten Laserstudie
85 Frauen über 12 Monate
Li und andere, JAMA 2021;326(14):1381-1389, Stand 12. Oktober 2021
Besserung der Beschwerden, Laser gegen Schein
17,2 gegen 26,6 Punkte
Li und andere, JAMA 2021;326(14):1381-1389, Stand 12. Oktober 2021
Gemeldete Schäden in den USA
45 Meldungen, 33 mit anhaltenden Folgen
Ahluwalia und andere, Lasers Surg Med 2019;51(8):671-677, Stand 31. Januar 2019
Ein medizinisches Lasergerät ohne Aufschrift in einem leeren, hellen Behandlungsraum.
Ob ein Vaginallaser hilft, ist kaum belegt. Bild: KI generiert.

Wie ein Vaginallaser wirken soll

Ein Vaginallaser ist ein Gerät mit einer Sonde, die in die Scheide eingeführt wird. Sie erwärmt die Scheidenwand mit Licht. Es gibt verschiedene Laser, manche tragen winzige Punkte der Schleimhaut ab, andere erwärmen nur tiefer liegendes Gewebe. Ähnlich arbeiten Geräte mit Radiowellen.

Die Wärme soll den Körper dazu bringen, neues Bindegewebe zu bilden. Eine festere Scheidenwand soll Blase und Harnröhre besser stützen. Eine dickere Schleimhaut soll weniger trocken sein, und eine straffere Scheide soll sich weniger weit anfühlen. Ob das beim Menschen dauerhaft gelingt und Beschwerden messbar lindert, müssen Studien zeigen.

  • Weitegefühl: Die Scheide fühlt sich schlaff oder weit an, etwa nach einer Geburt, ohne dass eine Senkung vorliegt.
  • Trockenheit nach den Wechseljahren: Die Schleimhaut wird dünner, es kommt zu Schmerzen beim Sex, Juckreiz, Brennen und Blasenbeschwerden.
  • Blasenschwäche bei Belastung: Urin geht beim Husten, Niesen, Heben oder Springen verloren.

Was die verblindete Studie zum Vaginallaser zeigt

Die aussagekräftigste Studie zum Laser bei Beschwerden nach den Wechseljahren erschien 2021 in einer US-amerikanischen Fachzeitschrift. Ein Team in Sydney teilte 85 Frauen per Los in zwei Gruppen. Die eine Gruppe bekam drei Behandlungen mit einem Laser, die andere eine Scheinbehandlung. Weder die Frauen noch die Auswertenden wussten, wer was bekommen hatte. So lässt sich ausschließen, dass Erwartungen das Ergebnis erklären.

Nach 12 Monaten gab es keinen bedeutsamen Unterschied zwischen Laser und Scheinbehandlung. Beide Gruppen berichteten von einer Besserung. Auf einer Skala von 0 bis 100 sanken die Beschwerden mit Laser um 17,2 Punkte, mit Scheinbehandlung um 26,6 Punkte. Dieser Unterschied war statistisch nicht bedeutsam.

Eine einzelne Studie beendet die Debatte nicht. Sie galt für einen bestimmten Laser bei Beschwerden nach den Wechseljahren, nicht für jedes Gerät und jede Beschwerde. Die britische Gesundheitsbehörde NICE kommt aber zum selben vorsichtigen Ergebnis. Bei Trockenheit nach den Wechseljahren soll der Laser nur in der Forschung eingesetzt werden. Für Sicherheit und Wirkung auf lange Sicht gibt es zu wenig gute Belege.

Was Fachgesellschaften zum Vaginallaser empfehlen

Die Empfehlungen hängen davon ab, wofür der Laser eingesetzt wird. Für eine Straffung der Scheide ohne medizinischen Befund gibt es nach den deutschen Fachgesellschaften für Frauenheilkunde und plastische Chirurgie keine guten Studien zu Wirkung und Nebenwirkungen. Sie empfehlen den Laser dafür nur im Rahmen von Studien.

Etwas offener ist die deutsche Behandlungsempfehlung zur Blasenschwäche. Bei leichter bis mittlerer Blasenschwäche unter Belastung kann der Laser angeboten werden. Zwei kleine Vergleichsstudien zeigten über bis zu 3 Monate einen Vorteil. Nach 6 bis 12 Monaten fühlten sich in Beobachtungsstudien 38 bis 77 Prozent der Frauen geheilt, allerdings ohne Vergleichsgruppe. Für eine schwere Blasenschwäche ist der Laser nach dieser Empfehlung nicht geeignet. NICE empfiehlt ihn auch bei Blasenschwäche nur in der Forschung.

Was Fachgesellschaften und Behörden zum Vaginallaser empfehlen.
WofürWer empfiehltEmpfehlung
Straffung ohne BefundDeutsche Fachgesellschaften für Frauenheilkunde und plastische ChirurgieNur in Studien
Leichte bis mittlere BlasenschwächeDeutsche Behandlungsempfehlung zur HarninkontinenzKann angeboten werden
Schwere BlasenschwächeDeutsche Behandlungsempfehlung zur HarninkontinenzNicht geeignet
BlasenschwächeBritische Gesundheitsbehörde NICENur in der Forschung
Trockenheit nach den WechseljahrenBritische Gesundheitsbehörde NICENur in der Forschung

Welche Nebenwirkungen ein Vaginallaser haben kann

Kurzfristig gilt der Laser als gut verträglich. Über die Sicherheit auf lange Sicht weiß niemand genug. In der verblindeten Studie traten Nebenwirkungen nach Laser und Scheinbehandlung etwa gleich oft auf, vor allem Schmerzen oder ein unangenehmes Gefühl in der Scheide, Schmierblutungen, Ausfluss und Blasenbeschwerden. Schwere Nebenwirkungen gab es dort keine.

Dass es auch schwere Verläufe gibt, zeigen Meldungen an eine Datenbank der US-Behörde FDA. Zwischen Oktober 2015 und Januar 2019 gingen dort 45 Meldungen zu Laser- und ähnlichen Geräten für die Vaginalverjüngung ein. Am häufigsten ging es um Schmerzen an Scheide, Blase oder Harnröhre. 33 Betroffene berichteten von Folgen, die anhielten. Wie oft das bezogen auf alle Behandlungen vorkommt, zeigt eine solche Datenbank nicht.

  • Schmerzen oder ein unangenehmes Gefühl in der Scheide während und nach der Behandlung.
  • Schmierblutungen und Ausfluss in den Tagen danach.
  • Blasenbeschwerden und Harnwegsinfekte.
  • Selten anhaltende Folgen wie Dauerschmerz, Taubheit oder Brennen.
  • Kosten für wiederholte Sitzungen bei unklarem Nutzen.

Wer den Vaginallaser bezahlt und wer ihn anwenden darf

Die Krankenkasse bezahlt den Vaginallaser nicht. Laserbehandlungen an Scheide und Blase gehören nach der deutschen Behandlungsempfehlung nicht zu ihren Pflichtleistungen. Sie zahlen also selbst, meist für mehrere Sitzungen. Weiß die Praxis, dass die Kasse nicht zahlt, muss sie Ihnen die Kosten vorher in Textform nennen.

Laser, die Gewebe abtragen oder die Haut verletzen, dürfen nach einer Verordnung zum Strahlenschutz nur Ärztinnen und Ärzte mit passender Weiterbildung anwenden. Die Behandlung von Beschwerden wie Blasenschwäche ist außerdem Heilkunde. In einem Kosmetikstudio hat ein solcher Laser in der Scheide nichts zu suchen.

  1. Lassen Sie von Ihrer Frauenärztin klären, welche Beschwerde Sie haben und wie stark sie ist.
  2. Fragen Sie, welche Behandlung zuerst vorgesehen ist und ob Sie sie schon ausprobiert haben.
  3. Lassen Sie sich Gerät, Zahl der Sitzungen und den Abstand dazwischen nennen.
  4. Fragen Sie, auf welche Studie mit Scheinbehandlung sich die Praxis stützt.
  5. Verlangen Sie die Kosten aller Sitzungen vorher schriftlich.
  6. Prüfen Sie, ob eine Ärztin behandelt.

Welche Behandlungen vor dem Vaginallaser kommen

Für alle drei Beschwerden gibt es Behandlungen mit besseren Belegen, die vor einem Laser kommen. Bei Blasenschwäche unter Belastung beginnt die Behandlung nach der deutschen Empfehlung immer ohne Operation, mit Beckenbodentraining, Hormoncreme für die Scheide oder einem Pessar. Ein Pessar ist ein Ring oder eine Schale, die in die Scheide eingesetzt wird und Blase und Gebärmutter stützt. Bei einer Senkung nach der Geburt stehen Beckenbodentraining und Pessar ebenfalls an erster Stelle.

Wie Sie ein Weitegefühl oder eine Senkung nach einer Geburt einordnen, erklärt der Ratgeber zur Vaginalstraffung nach der Geburt. Einen Überblick über alle Eingriffe im Intimbereich gibt der Ratgeber zu den Eingriffen der Intimchirurgie.

Kommt ein Vaginallaser für Sie infrage?

Hat eine Frauenärztin Ihre Beschwerde untersucht und benannt?

Ja

Haben Sie die zuerst vorgesehene Behandlung einige Monate lang ausprobiert, etwa Beckenbodentraining, Hormoncreme oder ein Pessar?

Ja

Bei leichter bis mittlerer Blasenschwäche ist der Laser eine Möglichkeit, die Sie selbst bezahlen und für die es keine Langzeitdaten gibt. Bei Trockenheit nach den Wechseljahren fragen Sie besser nach einer Studie.

Nein

Beginnen Sie mit der zuerst vorgesehenen Behandlung. Sie ist besser belegt, und die Krankenkasse zahlt sie.

Nein

Lassen Sie zuerst untersuchen, was hinter Ihren Beschwerden steckt. Für eine Straffung ohne Befund empfehlen die Fachgesellschaften den Laser nur in Studien.

Häufige Fragen

Hilft ein Vaginallaser gegen Scheidentrockenheit in den Wechseljahren?

In der bisher besten Studie half ein Vaginallaser nicht besser als eine Scheinbehandlung. Nach 12 Monaten fand die Studie mit 85 Frauen keinen bedeutsamen Unterschied. Die britische Gesundheitsbehörde NICE empfiehlt den Laser dafür nur in der Forschung.

Hilft ein Vaginallaser gegen Blasenschwäche beim Husten oder Niesen?

Bei leichter bis mittlerer Blasenschwäche kann er nach der deutschen Behandlungsempfehlung angeboten werden, gestützt vor allem auf Studien ohne Vergleichsgruppe. Bei schwerer Blasenschwäche ist er nicht geeignet. Die britische Behörde NICE empfiehlt ihn nur in der Forschung, weil Langzeitdaten fehlen.

Zahlt die Krankenkasse eine Laserbehandlung der Scheide?

Nein, die Krankenkasse zahlt eine Laserbehandlung der Scheide nicht. Sie gehört nicht zu den Pflichtleistungen. Die Praxis muss Ihnen die Kosten vorher in Textform nennen.

Welche Nebenwirkungen hat eine Laserbehandlung der Scheide?

Nach einer Laserbehandlung der Scheide kommen vor allem Schmerzen, Schmierblutungen, Ausfluss und Blasenbeschwerden vor. In der verblindeten Studie waren sie nach Laser und Scheinbehandlung ähnlich häufig. In den USA wurden auch anhaltende Folgen wie Dauerschmerz gemeldet.

Darf eine Kosmetikerin einen Vaginallaser anwenden?

Nein, Laser, die Gewebe abtragen oder die Haut verletzen, dürfen nur Ärztinnen und Ärzte mit passender Weiterbildung anwenden. Die Behandlung von Beschwerden wie Blasenschwäche ist außerdem Heilkunde. Eine Kosmetikerin darf das nicht.

Quellen und Methodik

Quellen und Lizenzen

  1. S2k-Leitlinie Rekonstruktive und ästhetische Operationen des weiblichen Genitale, AWMF-Registernummer 009-019, Stand August 2022 (Kapitel 6, Empfehlung 6.E11), Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) mit DGPRÄC, OEGGG und SGGG,
  2. S2k-Leitlinie Harninkontinenz der Frau, AWMF-Registernummer 015-091, Stand Dezember 2021 (Kapitel 4.3 bis 4.5, Empfehlung E4-15), Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG), OEGGG, SGGG,
  3. S3-Leitlinie Peri- und Postmenopause, Diagnostik und Interventionen, AWMF-Registernummer 015-062, Konsultationsfassung Juni 2026 (Kapitel 5, Empfehlung 5.4), Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) mit OEGGG und SGGG,
  4. S3-Leitlinie Diagnostik und Therapie des Descensus genitalis der Frau, AWMF-Registernummer 015-006, Version 6.0, März 2026 (Empfehlungen 3.E24 und 3.E28), Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG), OEGGG, SGGG,
  5. Transvaginal laser therapy for urogenital atrophy, HealthTech guidance 582 (früher IPG697, veröffentlicht 26. Mai 2021), National Institute for Health and Care Excellence (NICE),
  6. Transvaginal laser therapy for stress urinary incontinence, HealthTech guidance 581 (früher IPG696), National Institute for Health and Care Excellence (NICE),
  7. Effect of Fractional Carbon Dioxide Laser vs Sham Treatment on Symptom Severity in Women With Postmenopausal Vaginal Symptoms (Li und andere), JAMA 2021;326(14):1381-1389, DOI 10.1001/jama.2021.14892, JAMA, American Medical Association,
  8. Lasers and energy-based devices marketed for vaginal rejuvenation: A cross-sectional analysis of the MAUDE database (Ahluwalia und andere), Lasers Surg Med 2019;51(8):671-677, DOI 10.1002/lsm.23084, Lasers in Surgery and Medicine, Wiley,
  9. Schreiben der FDA an Inmode MD Ltd. zu den Geräten FormaV und FractoraV vom 24. Juli 2018 (Document Number CPT1800704), U.S. Food and Drug Administration, Center for Devices and Radiological Health,
  10. § 5 NiSV, Fachkunde zur Anwendung von Lasereinrichtungen und intensiven Lichtquellen, und § 1 NiSV, Anwendungsbereich, Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de,
  11. § 630c BGB, Mitwirkung der Vertragsparteien; Informationspflichten (Absatz 3, Kosteninformation in Textform), Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de,
  12. § 1 Heilpraktikergesetz, Erlaubnispflicht und Begriff der Heilkunde, Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de,

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Stand dieser Angaben: 3. Oktober 2026.