Wie unterschiedlich Schamlippen aussehen
Die kleinen Schamlippen sind die inneren, unbehaarten Hautfalten um Scheideneingang und Harnröhre. Die großen Schamlippen liegen außen, sind behaart und enthalten Fettgewebe. Wie groß beide bei gesunden Frauen sind, war lange kaum untersucht.
Eine erste Messstudie erschien 2005 in einer britischen Fachzeitschrift. Ein Team in London maß das Genital von 50 Frauen vor den Wechseljahren, die wegen eines anderen Eingriffs in Narkose lagen. Bei jedem einzelnen Maß fand es eine große Spannbreite. Einen Zusammenhang mit Alter, Geburten, Herkunft, Hormonen oder Sex fand das Team nicht. Das Team forderte, dass Frauen diese Spannbreite kennen, bevor sie über eine Operation entscheiden.
Die größte Messreihe stammt aus Luzern in der Schweiz. Dort vermaß ein Team zwischen August 2015 und April 2017 das Genital von 657 Frauen zwischen 15 und 84 Jahren. Die kleinen Schamlippen wurden mit dem Alter kürzer. Die Fachgesellschaften beschreiben außerdem, dass die großen Schamlippen mit dem Alter von prall zu schlaff werden.
Ab wann Schamlippen als zu groß gelten
Für zu große Schamlippen gibt es kein allgemein anerkanntes Maß. Einzelne Chirurgen haben Grenzen vorgeschlagen. Ein Team operierte in einer Studie mit 163 Frauen zum Beispiel nur Frauen, deren kleine Schamlippen mindestens 4 Zentimeter breit waren. Eine Regel, die für alle gilt, ist daraus nicht geworden.
Plastische Chirurgen aus den USA haben 2015 eine einfache Einteilung vorgeschlagen. Sie misst, wie weit der Rand der kleinen Schamlippen über den Rand der großen hinausragt. Klasse 1 reicht von 0 bis 2 Zentimeter, Klasse 2 von 2 bis 4 Zentimeter, Klasse 3 liegt bei mehr als 4 Zentimeter. Die Einteilung soll Ärztinnen helfen, Befunde gleich zu beschreiben. Sie ist keine Grenze, ab der eine Operation nötig wäre.
| Klasse | Überstand über die großen Schamlippen | Was das heißt |
|---|---|---|
| Klasse 1 | 0 bis 2 Zentimeter | Beschreibt den Befund, kein Behandlungsgrund |
| Klasse 2 | 2 bis 4 Zentimeter | Beschreibt den Befund, kein Behandlungsgrund |
| Klasse 3 | mehr als 4 Zentimeter | Beschreibt den Befund, kein Behandlungsgrund |
Auch die Behandlungsempfehlung der Fachgesellschaften für Frauenheilkunde und plastische Chirurgie nennt keine Grenze. Sie hält größere kleine Schamlippen im Allgemeinen für harmlos. Eine Vergrößerung kann angeboren sein oder später entstehen, etwa durch Krampfadern, Entzündungen oder eine Dehnung, die in manchen Kulturen üblich ist.
Wann Schamlippen Beschwerden machen
Ein Grund für eine Behandlung entsteht, wenn die Schamlippen Beschwerden machen. Die Fachgesellschaften nennen dafür Probleme mit der Hygiene, Entzündungen, Reibung, Scham, Probleme beim Sex und Beschwerden beim Sport. Damit die Krankenkasse eine Operation bezahlt, muss eine Ärztin die körperlichen Beschwerden feststellen können. Auch ein stark abweichender Befund, der seelisch schwer belastet, kann ein medizinischer Grund sein.
- Entzündungen oder Pilzinfektionen an den kleinen Schamlippen, die immer wiederkommen.
- Wundreiben oder Einklemmen beim Radfahren, Reiten oder Laufen, auch mit passender Kleidung.
- Schmerzen beim Sex, weil Gewebe in die Scheide hineingezogen wird.
- Schwierigkeiten bei der Hygiene, etwa während der Periode.
- Scheuern und Druckstellen durch Kleidung im Alltag.
Jeder dieser Punkte lässt sich nur bei einer Untersuchung feststellen. Der Weg zu einer Einordnung führt deshalb in die Frauenarztpraxis, nicht über den Vergleich mit Bildern. Was eine Verkleinerung umfasst und welche anderen Eingriffe es gibt, erklärt der Überblick über die Eingriffe der Intimchirurgie.
Wie Bilder das Bild von normalen Schamlippen verändern
Die meisten Frauen sehen im Alltag kaum ein anderes Genital als das eigene. Ihr Maßstab stammt oft aus Medien. Die Fachgesellschaften beschreiben, dass die Mode der Intimrasur, ein enges Schönheitsideal aus Pornos und die Werbung für die sogenannte Designer-Vagina den Wunsch nach einer Korrektur stark beeinflussen. Frauen, die sich operieren ließen, hatten nach einzelnen Studien häufiger digital bearbeitete Bilder von Genitalien gesehen.
Wie schnell sich der Blick verschiebt, zeigt eine Studie. Frauen sahen dort Bilder von Schamlippen nach einer Operation. Danach hielten sie Schamlippen normaler Größe viel häufiger für krankhaft als Frauen, die andere Bilder gesehen hatten.
Der Wunsch nach einer Intim-OP wächst vor allem bei jungen Frauen. In einer Befragung der Deutschen Gesellschaft für Ästhetisch-Plastische Chirurgie entfielen 2025 bei Frauen unter 30 Jahren 11,8 Prozent aller Schönheitsoperationen auf den Intimbereich. Die Fachgesellschaft betont, dass viele davon wegen Schmerzen oder anderer Beschwerden erfolgen.
Wann Unzufriedenheit eine Körperbildstörung sein kann
Unzufriedenheit mit dem eigenen Genital ist verbreitet und für sich keine Krankheit. Anders ist es bei einer Körperbildstörung. Dabei verbringt ein Mensch sehr viel Zeit mit Sorgen über Makel im Aussehen, die andere kaum oder gar nicht sehen. So beschreibt es der britische Gesundheitsdienst NHS.
Bei einer Körperbildstörung raten die Fachgesellschaften von einer Schönheitsoperation am Genital ab. Die Störung verzerrt die Wahrnehmung und erschwert eine freie Entscheidung. Nach einer Operation wandert die Unzufriedenheit oft nur zu einem anderen Körperteil. In den USA haben nach den Angaben der Fachgesellschaften 7 bis 8 Prozent der Menschen, die eine Schönheitsoperation wollen, eine solche Störung. In einer Londoner Studie waren es 9 von 49 Frauen vor einer Labienplastik.
- Sie sorgen sich sehr oft um das Aussehen einer bestimmten Körperstelle, etwa Ihres Genitals.
- Sie vergleichen Ihr Aussehen viel mit anderen, etwa mit Bildern.
- Sie schauen sehr oft in den Spiegel oder meiden Spiegel ganz.
- Sie geben sich große Mühe, den vermeintlichen Makel zu verstecken, etwa mit Kleidung.
- Sie meiden Sex, Umkleiden oder die Untersuchung bei der Frauenärztin.
Behandelt wird eine Körperbildstörung nach Angaben des NHS mit einer Verhaltenstherapie, bei schwerem Verlauf zusammen mit einem Antidepressivum. Eine Operation gehört nicht dazu.
Haben Sie Beschwerden wie Entzündungen, Wundreiben oder Schmerzen beim Sex, Sport oder Sitzen?
Lassen Sie die Beschwerden in einer Frauenarztpraxis untersuchen und aufschreiben. Daraus ergibt sich, ob eine Behandlung ohne Operation reicht oder ob ein Antrag bei der Krankenkasse Aussicht hat.
Beschäftigt Sie das Aussehen so sehr, dass Sie Sex, Umkleiden oder Arztbesuche meiden?
Sprechen Sie zuerst mit Ihrer Frauenärztin, Hausärztin oder einer Psychotherapeutin. Bei einer Körperbildstörung hilft eine Therapie mehr als eine Operation.
Dann gibt es keinen medizinischen Grund für einen Eingriff. Eine Operation wäre eine ästhetische Entscheidung, die Sie selbst bezahlen.
So lassen Sie Ihre Schamlippen einordnen
Für eine Einordnung brauchen Sie keine Operationsberatung, sondern eine Untersuchung und ein Gespräch über Ihre Beschwerden. Die Untersuchung von Beschwerden zahlt die Krankenkasse. Eine Beratung über einen rein ästhetischen Eingriff zahlen Sie selbst.
- Schreiben Sie auf, welche Beschwerden Sie haben, seit wann und wann sie auftreten, etwa beim Radfahren, beim Sex oder während der Periode.
- Lassen Sie sich in der Frauenarztpraxis untersuchen und fragen Sie, ob Ihr Befund in der üblichen Spannbreite liegt.
- Fragen Sie, ob die Beschwerden eine andere Ursache haben können, etwa eine Hauterkrankung oder eine Infektion.
- Lassen Sie Befund, Beschwerden und bisherige Behandlung aufschreiben, wenn Sie später eine Kostenübernahme beantragen wollen.
- Nehmen Sie sich Zeit und holen Sie eine zweite Meinung ein, bevor Sie einen Operationstermin vereinbaren.
Häufige Fragen
Wie lang dürfen die kleinen Schamlippen sein?
Eine Höchstlänge für kleine Schamlippen gibt es nicht. Messstudien an gesunden Frauen ohne Beschwerden zeigen eine große Spannbreite bei jedem Maß. Die Fachgesellschaften nennen keinen Grenzwert und machen eine Behandlung von Beschwerden abhängig.
Ist es normal, dass die kleinen Schamlippen über die großen hinausragen?
Ja, ein Überstand der kleinen über die großen Schamlippen ist für sich kein krankhafter Befund. Die Fachgesellschaften halten größere kleine Schamlippen im Allgemeinen für harmlos. Eine Einteilung in Klassen von 0 bis 2, 2 bis 4 und mehr als 4 Zentimeter beschreibt den Befund, eine Grenze für eine Operation ist sie nicht.
Werden die Schamlippen durch Sex oder Selbstbefriedigung größer?
Dafür gibt es keinen Beleg. Eine Londoner Messstudie an 50 Frauen fand keinen Zusammenhang zwischen den Maßen des Genitals und Sex, Alter, Geburten oder Herkunft. Als Ursachen einer späteren Vergrößerung nennen die Fachgesellschaften Krampfadern, Entzündungen und eine bewusste Dehnung.
Zahlt die Krankenkasse eine Schamlippenverkleinerung, wenn mir das Aussehen nicht gefällt?
Nein, wenn nur das Aussehen stört, zahlt die Krankenkasse nicht. Sie zahlt, wenn eine Ärztin körperliche Beschwerden feststellt, etwa immer wiederkehrende Entzündungen. Ohne solche Beschwerden zahlen Sie den Eingriff selbst.
Wer hilft mir, wenn mich das Aussehen meiner Schamlippen stark belastet?
Bei starker Belastung sind Ihre Frauenärztin, Hausärztin oder eine Psychotherapeutin die ersten Ansprechpartnerinnen. Bei einer Körperbildstörung raten die Fachgesellschaften von einer Operation ab. Eine Verhaltenstherapie hilft hier mehr.
Verändern sich die Schamlippen mit dem Alter?
Ja, die Schamlippen verändern sich mit dem Alter. In einer Messreihe an 657 Frauen wurden die kleinen Schamlippen mit steigendem Alter kürzer. Die großen Schamlippen werden mit den Jahren schlaffer.
