Was bei einer Hymenrekonstruktion gemacht wird
Das Jungfernhäutchen, in der Medizin Hymen, ist eine dünne Hautfalte am Scheideneingang. Es sieht schon von Geburt an bei jeder Frau anders aus: ringförmig, halbmondförmig, mit mehreren Öffnungen oder nur als schmaler Saum. Bei einer Hymenrekonstruktion näht die Ärztin vorhandene Reste dieses Saums zusammen. Dadurch wird die Öffnung enger. Welche anderen Eingriffe es im Intimbereich gibt, zeigt der Überblick über die Eingriffe der Intimchirurgie.
Einen einheitlichen Standard für diese Operation gibt es nicht. Ein Fachaufsatz im Deutschen Ärzteblatt beschreibt, dass Praxen ganz unterschiedliche Techniken anbieten. Verlässliche Angaben zu Risiken und Komplikationen gebe es kaum. Auch die Behandlungsempfehlung der Fachgesellschaften für Frauenheilkunde und plastische Chirurgie enthält keine eigene Empfehlung zu Technik, Nachsorge oder Erfolg.
Keine Untersuchung beweist, ob eine Frau schon Sex hatte
Die Weltgesundheitsorganisation hat 2018 zusammen mit dem Hochkommissariat für Menschenrechte der Vereinten Nationen und UN Women eine klare Erklärung veröffentlicht. Das Aussehen des Jungfernhäutchens ist kein verlässlicher Hinweis auf Sex. Keine bekannte Untersuchung kann beweisen, dass eine Frau schon Sex hatte. Sogenannte Jungfräulichkeitstests haben keinen medizinischen Wert und verletzen die Menschenrechte der Betroffenen.
Daraus folgt die Grenze der Operation. Viele Menschen glauben, beim ersten Mal blute es immer. Das stimmt nicht: Nach dem Fachaufsatz im Deutschen Ärzteblatt blutet es nur in etwa der Hälfte der Fälle. Eine Hymenrekonstruktion kann also weder beweisen, was vorher war, noch garantieren, was nachher passiert. Eine Praxis, die eine Blutung verspricht, sagt Ihnen nicht die Wahrheit.
| Verbreitete Annahme | Was stimmt |
|---|---|
| Ein unversehrtes Häutchen zeigt, dass eine Frau noch keinen Sex hatte | Das Aussehen ist kein verlässlicher Hinweis |
| Eine Ärztin kann früheren Sex feststellen | Keine bekannte Untersuchung kann das beweisen |
| Beim ersten Mal blutet es immer | Es blutet nur in etwa der Hälfte der Fälle |
| Die Operation stellt den früheren Zustand her | Sie verengt die Öffnung, eine Blutung ist nicht sicher |
| Es gibt eine Standardoperation mit bekannten Risiken | Es gibt keinen Standard und kaum verlässliche Angaben zu Risiken |
Wenn Sie zu einer Hymenrekonstruktion gedrängt werden
Viele Frauen fragen nach dieser Operation, weil sie Angst vor Schande, vor Ablehnung durch die Familie oder vor Gewalt haben. Der Fachaufsatz im Deutschen Ärzteblatt beschreibt das offen. Wenn hinter Ihrem Wunsch eine Drohung steht, ist eine Operation nicht die erste Antwort. Zuerst geht es um Ihre Sicherheit.
Auch eine Ärztin muss Ihnen ehrlich sagen, was die Operation leisten kann und was nicht. Die Ethikkommission bei der Bundesärztekammer verlangt bei Behandlungen ohne medizinischen Grund eine wahrheitsgemäße Beratung. Dazu gehören auch Wege ohne Operation. Die Ärztin darf keinen Bedarf wecken und muss auf eine zweite Meinung hinweisen. Sie darf eine Behandlung auch ablehnen, wenn sie vom Nutzen nicht überzeugt ist.
- Das Gespräch findet ohne Begleitperson statt, wenn Sie das wünschen.
- Die Ärztin unterliegt der Schweigepflicht, auch gegenüber Ihrer Familie und Ihrem Partner.
- Sie erklärt Ihnen, wie das Jungfernhäutchen aussieht und wie selten eine Blutung sicher ist.
- Sie fragt, ob der Wunsch von Ihnen selbst kommt oder von anderen.
- Eine Bescheinigung über Jungfräulichkeit stellt sie nicht aus, weil kein Befund das belegen kann.
Was Sie vor einer Hymenrekonstruktion klären
Weil es keinen Standard gibt, ist das Aufklärungsgespräch hier besonders wichtig. Je weniger eine Operation medizinisch nötig ist, desto ausführlicher muss die Ärztin über Risiken und Grenzen aufklären. Nach der Behandlungsempfehlung der Fachgesellschaften können mehr als 24 Stunden Bedenkzeit zwischen Gespräch und Operation sinnvoll sein. Was im Aufklärungsgespräch stehen muss, erklärt der Ratgeber zu Ihren Rechten im Aufklärungsgespräch.
Eingriffe am Genital ohne medizinischen Grund sollen bei Mädchen und Jugendlichen nach der Behandlungsempfehlung nicht gemacht werden. Für Erwachsene zahlt die Krankenkasse eine Hymenrekonstruktion nicht, weil sie keine Krankheit behandelt. Sie zahlen den Eingriff selbst.
- Fragen Sie, welche Technik die Ärztin verwendet und wie oft sie den Eingriff im letzten Jahr gemacht hat.
- Lassen Sie sich die Risiken nennen und fragen Sie, woher die Angaben stammen.
- Fragen Sie ausdrücklich, ob sie eine Blutung verspricht. Tut sie das, suchen Sie eine andere Praxis.
- Lassen Sie sich die Kosten vorher schriftlich geben.
- Fragen Sie, was auf Rechnung und Terminerinnerung steht, falls jemand Ihre Post liest.
- Nehmen Sie sich Bedenkzeit und holen Sie bei Zweifeln eine zweite Meinung ein.
Steht hinter Ihrem Wunsch eine Drohung mit Gewalt, Zwangsheirat oder Ausschluss aus der Familie?
Wenden Sie sich zuerst an das Hilfetelefon unter 116 016 oder eine Beratungsstelle. Eine Operation beendet die Bedrohung nicht.
Hat eine Praxis Ihnen Technik, Risiken und Grenzen offen erklärt, ohne eine Blutung zu versprechen?
Dann gelten die Regeln für jeden Eingriff ohne medizinischen Grund: schriftliche Aufklärung, Kosten in Textform, Bedenkzeit und eine Nachkontrolle.
Holen Sie eine zweite ärztliche Meinung ein. Eine Praxis, die sicheren Erfolg verspricht, verschweigt die Grenzen des Eingriffs.
Welche Werbung Praxen für diesen Eingriff nicht machen dürfen
Für Schönheitsoperationen ohne medizinischen Grund gelten strenge Werberegeln. Praxen dürfen keine Bilder vor und nach einem Eingriff zeigen. Sie dürfen nicht den Eindruck erwecken, ein Erfolg sei sicher. Rabatte und eine beworbene kostenlose Beratung sind ebenfalls verboten. Ein Gericht hat 2017 entschieden, dass schon das Angebot einer kostenlosen Beratung für eine Schönheitsoperation unzulässig ist.
Einen Facharzttitel für Intimchirurgie gibt es nicht. Prüfen Sie den echten Titel der Ärztin in der Arztsuche Ihrer Landesärztekammer. Werbung, die gegen diese Regeln verstößt, können Sie der Ärztekammer melden.
- Bilder prüfen: Vorher-Nachher-Bilder sind verboten, auch als Zeichnung oder in sozialen Netzwerken.
- Versprechen prüfen: Wörter wie garantiert, sicher oder unbemerkt behaupten einen sicheren Erfolg.
- Preise prüfen: Rabatte, Gratisleistungen und kostenlose Beratungen sind als Werbung verboten.
- Titel prüfen: Einen Facharzt für Intimchirurgie gibt es nicht.
Häufige Fragen
Kann eine Ärztin feststellen, ob eine Frau schon Sex hatte?
Nein, keine Ärztin kann das feststellen. Die Weltgesundheitsorganisation hat 2018 erklärt, dass das Aussehen des Jungfernhäutchens kein verlässlicher Hinweis ist und keine Untersuchung früheren Sex beweisen kann. Sogenannte Jungfräulichkeitstests verletzen die Menschenrechte.
Garantiert eine Hymenrekonstruktion eine Blutung beim Sex?
Nein, eine Hymenrekonstruktion garantiert keine Blutung. Auch ohne Eingriff blutet es beim ersten Sex nur in etwa der Hälfte der Fälle. Für die Operation gibt es keinen Standard und kaum verlässliche Angaben zu Risiken.
Zahlt die Krankenkasse eine Hymenrekonstruktion?
Nein, die Krankenkasse zahlt eine Hymenrekonstruktion nicht, weil sie keine Krankheit behandelt. Sie zahlen den Eingriff selbst. Anders ist es, wenn ein ganz verschlossenes Jungfernhäutchen geöffnet werden muss, weil sich Blut staut.
Was ist der Unterschied zwischen Hymenrekonstruktion und der Öffnung des Hymens?
Bei der Hymenrekonstruktion näht die Ärztin Reste des Jungfernhäutchens zusammen, ohne dass eine Krankheit vorliegt. Bei der Öffnung eines ganz verschlossenen Hymens staut sich sonst das Blut der Periode. Diese Öffnung behandelt eine Fehlbildung, und die Krankenkasse zahlt sie.
Wo bekomme ich Hilfe, wenn ich zu einer Hymenrekonstruktion gedrängt werde?
Hilfe bekommen Sie beim Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen unter 116 016. Es ist täglich rund um die Uhr erreichbar, kostenlos, auf Wunsch anonym und in vielen Sprachen. Auf hilfetelefon.de können Sie auch per Chat oder E-Mail schreiben.
