Warum sich die Scheide nach einer Geburt weiter anfühlen kann
Viele Frauen haben nach einer Geburt das Gefühl, ihre Scheide sei weiter oder schlaffer geworden. Die Fachgesellschaften für Frauenheilkunde und plastische Chirurgie beschreiben dieses Weitegefühl als subjektives Empfinden. Wie häufig es bei jungen Frauen ist, ist unklar. Bei Frauen, die zusätzlich zum Beispiel unter Blasenschwäche leiden, scheint es häufig zu sein.
Hinter dem Gefühl können verschiedene Befunde stecken, und sie brauchen verschiedene Behandlungen. Der Beckenboden ist die Schicht aus Muskeln und Bindegewebe, die das Becken nach unten abschließt und Blase, Gebärmutter und Darm trägt. Schwangerschaft und Geburt belasten ihn stark. Daraus kann eine Senkung werden: Scheidenwände, Gebärmutter oder Blase rutschen tiefer, manchmal bis an den Scheideneingang. Auch Narben nach einem Dammriss oder Dammschnitt können spannen oder schmerzen.
- Schwacher Beckenboden ohne Senkung: Die Scheide fühlt sich weit an, manchmal geht beim Husten, Niesen oder Springen Urin verloren.
- Senkung von Scheide oder Gebärmutter: ein Druckgefühl, eine Vorwölbung am Scheideneingang, Probleme beim Wasserlassen oder Stuhlgang.
- Narben nach Dammriss oder Dammschnitt: Spannen, Schmerzen beim Sitzen oder beim Sex.
- Weitegefühl ohne Befund: Die Untersuchung zeigt nichts Auffälliges, das Gefühl bleibt trotzdem.
Welche Wege es nach der Geburt gibt
Die Behandlungsempfehlungen stellen die Behandlung ohne Operation an den Anfang. Bei Blasenschwäche unter Belastung beginnt sie immer mit Beckenbodentraining, Hormoncreme für die Scheide oder einem Pessar. Erst wenn das nach drei bis sechs Monaten nicht hilft, kommt eine Operation infrage. Bei einer Senkung sollen Beckenbodentraining und Pessar nach der deutschen Behandlungsempfehlung ausdrücklich angeboten werden.
Für das Weitegefühl ohne Befund ist die Lage dünn. Ob Beckenbodentraining dagegen hilft, wurde nicht in guten Studien untersucht. Für eine Straffung mit Laser oder Radiowellen ohne Befund empfehlen die Fachgesellschaften die Behandlung nur in Studien. Was über den Laser bekannt ist, erklärt der Ratgeber Vaginallaser, was belegt ist.
| Weg | Für wen | Wie gut belegt | Wer zahlt |
|---|---|---|---|
| Rückbildungskurs bei der Hebamme | Jede Frau nach der Geburt | Teil der Hebammenhilfe | Krankenkasse |
| Beckenbodentraining in der Physiotherapie | Leichte Senkung, Blasenschwäche | Gut belegt, soll angeboten werden | Krankenkasse auf Verordnung, mit Zuzahlung |
| Pessar | Senkung mit Beschwerden, Blasenschwäche beim Sport | Gut belegt, soll angeboten werden | Auf Verordnung, Kosten vorher klären |
| Operation mit eigenem Gewebe | Senkung mit Beschwerden, wenn anderes nicht reicht | Gute Möglichkeit ohne Kunststoffnetz | Krankenkasse |
| Laser oder Radiowellen | Weitegefühl ohne Befund | Nur in Studien empfohlen | Sie selbst |
| Straffung ohne Befund | Weitegefühl ohne Senkung und ohne Beschwerden | Keine Empfehlung | Sie selbst |
Was Rückbildungskurs und Beckenbodentraining bringen
Der Rückbildungskurs ist der erste Schritt, und er steht jeder gesetzlich versicherten Frau zu. Die Krankenkasse zahlt bis zu 10 Stunden in einer Gruppe mit höchstens 10 Frauen. Bis zur Hälfte davon kann auch über Lernvideos laufen. Die Stunden müssen bis zum Ende des neunten Monats nach der Geburt stattfinden. Im Kurs lernen Sie, den Beckenboden wahrzunehmen, anzuspannen und zu kräftigen.
Reicht das nicht, verschreibt Ihre Ärztin Krankengymnastik. Bei einem zu schwachen Beckenboden sind bis zu 6 Behandlungen je Verordnung vorgesehen, insgesamt orientierend bis zu 18. Nach der Behandlungsempfehlung zur Senkung kann gezieltes Beckenbodentraining die Beschwerden einer leichten Senkung verringern. Die britische Gesundheitsbehörde NICE empfiehlt dafür mindestens 16 Wochen Training. Bei Blasenschwäche nach einer Geburt steigert Beckenbodentraining die Chance, zwölf Monate nach der Geburt wieder dicht zu sein.
- Melden Sie sich schon in der Schwangerschaft für einen Rückbildungskurs an.
- Sprechen Sie Urinverlust, Druckgefühl oder ein Weitegefühl bei der Nachuntersuchung an, auch wenn es Ihnen unangenehm ist.
- Lassen Sie untersuchen, ob eine Senkung vorliegt und wie stark sie ist.
- Bitten Sie bei einem schwachen Beckenboden um eine Verordnung für Krankengymnastik und suchen Sie eine Praxis mit Schwerpunkt Beckenboden.
- Trainieren Sie mindestens 16 Wochen regelmäßig, bevor Sie beurteilen, ob es reicht.
- Fragen Sie nach einem Pessar, wenn das Training allein nicht genug hilft.
Wann ein Pessar hilft
Ein Pessar ist ein Ring, eine Schale oder ein Würfel, den Sie oder Ihre Ärztin in die Scheide einsetzen. Es hält abgesunkene Organe zurück. Bei den meisten Frauen lässt es sich gut anpassen, in Beobachtungsstudien in 50 bis 100 Prozent der Fälle. Dauerhaft weiter nutzen es aber nur 14 bis 67 Prozent der Frauen.
Ein Pessar kann auch eine Blasenschwäche bessern, in 23 bis 45 Prozent der Fälle. Dazu kommen Vorteile beim Stuhlgang, beim Sex und für das Körpergefühl. Für Frauen, die nur bei starker Belastung wie Sport Urin verlieren, ist es eine gute Möglichkeit. Ein Pessar kann aber auch Schmerzen, Blutungen oder Verstopfung auslösen. Hält ein Ring nicht, kann ein Würfelpessar helfen, wenn Sie es jeden Abend herausnehmen können.
Wann eine Operation sinnvoll ist, auch bei Kinderwunsch
Eine Operation kommt infrage, wenn eine Senkung Beschwerden macht und die Behandlung ohne Operation ausgeschöpft ist. Bei einer Senkung der hinteren Scheidenwand ist eine Raffung mit eigenem Gewebe für die erste Operation eine gute Möglichkeit. Kunststoffnetze sollen dort nicht routinemäßig eingesetzt werden, weil sie häufiger zu Schmerzen beim Sex und dauerhaften Schmerzen führen. Narben nach einem Dammriss, die nach drei bis sechs Monaten noch Beschwerden machen, können operiert werden.
Wünschen Sie sich noch Kinder, bekommen Sie zuerst eine Behandlung ohne Operation angeboten. Die frühere Zurückhaltung hält die Behandlungsempfehlung aber nicht mehr für zeitgemäß. Bei großem Leidensdruck kann eine Operation, bei der die Gebärmutter erhalten bleibt, auch dann angeboten werden. Ob eine spätere Geburt natürlich oder per Kaiserschnitt erfolgen sollte, lässt sich aus den Daten nicht klar sagen. Das besprechen Sie im Aufklärungsgespräch, und Ihr Wunsch zählt mit.
Anders ist es bei einer Straffung ohne Befund. Zeigt die Untersuchung keine Senkung und keine Beschwerden, gibt es keine Empfehlung für eine Operation, und die Krankenkasse zahlt sie nicht. Welche Eingriffe im Intimbereich es sonst gibt, zeigt der Überblick über die Eingriffe der Intimchirurgie.
Hat Ihre Frauenärztin eine Senkung oder eine Blasenschwäche festgestellt?
Haben Sie mindestens 16 Wochen Beckenbodentraining gemacht und ein Pessar ausprobiert?
Dann kann bei weiter großem Leidensdruck eine Operation infrage kommen, bei einer Senkung auf Kosten der Krankenkasse.
Beginnen Sie mit Beckenbodentraining auf Verordnung und lassen Sie ein Pessar anpassen. Beides wird ausdrücklich empfohlen.
Liegt die Geburt weniger als neun Monate zurück?
Nutzen Sie den Rückbildungskurs, den die Krankenkasse bezahlt, und lassen Sie den Befund bei der Nachuntersuchung noch einmal prüfen.
Ohne Senkung und ohne Beschwerden gibt es keine Empfehlung für eine Operation. Eine Straffung wäre eine ästhetische Entscheidung, die Sie selbst bezahlen.
Was die Krankenkasse nach der Geburt bezahlt
Nach der Geburt haben Sie Anspruch auf ärztliche Betreuung und Hebammenhilfe. Der Rückbildungskurs ist bis zum Ende des neunten Monats möglich. Untersuchung und Behandlung einer Senkung oder Blasenschwäche zahlt die Krankenkasse, auch eine Operation, wenn sie medizinisch nötig ist.
Für Krankengymnastik zahlen Erwachsene bis Ende 2026 zehn Prozent der Kosten plus 10 Euro je Verordnung dazu. Ab dem 1. Januar 2027 steigt der feste Betrag auf 15 Euro je Verordnung. Laser, Radiowellen und eine Straffung ohne Befund zahlen Sie ganz selbst. Die Praxis muss Ihnen die Kosten dann vorher in Textform nennen.
Häufige Fragen
Wie lange nach der Geburt zahlt die Krankenkasse einen Rückbildungskurs?
Die Krankenkasse zahlt einen Rückbildungskurs bis zum Ende des neunten Monats nach der Geburt. Abgerechnet werden bis zu 10 Stunden in einer Gruppe mit höchstens 10 Frauen. Stunden danach zahlt die Kasse nicht.
Hilft Beckenbodentraining gegen ein Weitegefühl in der Scheide nach der Geburt?
Das ist nicht gut untersucht. Belegt ist Beckenbodentraining bei einer leichten Senkung und bei Blasenschwäche, dort wird es ausdrücklich empfohlen. Nach einer Geburt steigert es die Chance, ein Jahr später keine Blasenschwäche mehr zu haben.
Kann ich eine Senkung nach der Geburt operieren lassen, wenn ich noch Kinder möchte?
Ja, aber erst nach einer Behandlung ohne Operation. Bei großem Leidensdruck kann eine Operation angeboten werden, bei der die Gebärmutter erhalten bleibt. Wie eine spätere Geburt am besten verläuft, besprechen Sie im Aufklärungsgespräch.
Zahlt die Krankenkasse eine Vaginalstraffung nach der Geburt?
Ja, wenn eine Senkung Beschwerden macht und die Behandlung ohne Operation nicht reicht. Dann ist es die Behandlung einer Krankheit. Eine Straffung ohne Befund sowie Laser und Radiowellen zahlen Sie selbst.
Wie gut hilft ein Pessar bei einer Senkung nach der Geburt?
Ein Pessar lässt sich bei den meisten Frauen gut anpassen, in Beobachtungsstudien in 50 bis 100 Prozent der Fälle. Dauerhaft nutzen es 14 bis 67 Prozent. Es kann auch eine Blasenschwäche in 23 bis 45 Prozent der Fälle bessern.
