Intimchirurgie

Ratgeber

Schwangerschaft und Geburt nach einer Intim-OP

Veröffentlicht am , zuletzt aktualisiert am

Nach einer Labienplastik ist eine natürliche Geburt möglich. In der bisher einzigen Studie dazu entbanden 91,8 Prozent der Frauen nach dem Eingriff auf natürlichem Weg. Einen Riss oder Dammschnitt gab es bei 7 von 39 Geburten. Eine Schwangerschaft kann die Form der Schamlippen aber wieder verändern. Eine Pflicht, mit der Operation bis nach der Familienplanung zu warten, gibt es nicht.

Natürliche Geburten nach der Labienplastik
91,8 Prozent
Kearney, Turin, Placik, Wattanasupachoke, Aesthet Surg J 2021;41(4):NP185-NP189, Stand 12. März 2021
Riss oder Dammschnitt danach
7 von 39 Geburten
Kearney, Turin, Placik, Wattanasupachoke, Aesthet Surg J 2021;41(4):NP185-NP189, Stand 12. März 2021
Befragte Frauen in der Studie
204 Frauen
Kearney, Turin, Placik, Wattanasupachoke, Aesthet Surg J 2021;41(4):NP185-NP189, Stand 12. März 2021
Eine schwangere Frau im langen Kleid steht am Fenster und hält die Hände am Bauch.
Nach einer Labienplastik ist eine natürliche Geburt möglich. Bild: KI generiert.

Kann ich nach einer Labienplastik normal entbinden?

Ob eine Labienplastik eine spätere Geburt beeinflusst, hat bisher nur eine Studie untersucht. Dafür wurden Frauen am Telefon befragt, die ein Chirurg in den USA zwischen 2007 und 2018 in seiner Praxis operiert hatte. 204 Frauen antworteten. 70 von ihnen hatten schon vor der Labienplastik Kinder bekommen, 33 erst danach.

In der Studie entbanden 82,6 Prozent der Frauen mit Kindern vor der Operation und 91,8 Prozent der Frauen mit Kindern nach der Operation auf natürlichem Weg. Einen Riss oder Dammschnitt gab es bei 3,1 Prozent der Geburten vor der Operation und bei 17,8 Prozent der Geburten danach. Bei Frauen, die erst nach der Labienplastik Kinder bekamen, waren es 7 von 39 Geburten, also 17,9 Prozent.

Geburten vor und nach einer Labienplastik in der Studie aus den USA.
GruppeFrauenNatürliche GeburtRiss oder Dammschnitt
Kinder vor der Labienplastik7082,6 Prozent3,1 Prozent
Kinder nach der Labienplastik3391,8 Prozent17,8 Prozent

Die Autoren schließen daraus, dass eine natürliche Geburt nach einer Labienplastik in über 90 Prozent der Fälle gelingt. Für Frauen ohne Kinder halten sie das Risiko für einen Riss oder Dammschnitt für vergleichbar mit dem anderer Frauen oder niedriger. Für Frauen, die schon vorher geboren hatten, ist die Datenlage nach ihren eigenen Worten dünner.

Was die Studie zur Geburt nicht zeigen kann

Der Unterschied zwischen 3,1 und 17,8 Prozent wirkt groß. Die beiden Gruppen unterscheiden sich aber nicht nur durch die Operation. Viele Frauen der zweiten Gruppe bekamen nach der Labienplastik ihr erstes Kind, die Frauen der ersten Gruppe hatten schon vorher geboren. Wie viel des Unterschieds wirklich an der Operation liegt, lässt sich aus der Studie nicht ablesen.

Dazu kommen die Grenzen der Studie. Sie stammt von einem einzigen Chirurgen mit seiner eigenen Technik. Die Frauen wurden im Nachhinein am Telefon befragt, eine Vergleichsgruppe ohne Operation gab es nicht. Zahlen aus Deutschland oder Europa gibt es nicht. Auch die Behandlungsempfehlung der deutschen Fachgesellschaften äußert sich nicht dazu.

Verändert eine Schwangerschaft das Ergebnis der Labienplastik?

Das ist möglich. Die Vereinigung der Deutschen Ästhetisch-Plastischen Chirurgen schreibt, dass Schwangerschaft, Geburt und das Älterwerden den Intimbereich verändern können. Das gilt für operierte wie für nicht operierte Frauen. Wie oft und wie stark sich die Form nach einer Labienplastik wieder ändert, sagt keine Quelle.

Eine Korrektur nach einer Geburt wäre eine neue Operation mit neuen Kosten. Wer sie bezahlt, erklärt der Ratgeber zur Nachkorrektur nach einer Labienplastik. Wie die Operation selbst abläuft, steht im Ratgeber zum Ablauf einer Labienplastik.

Sollten Sie mit der Labienplastik bis nach der Familienplanung warten?

Eine Pflicht zu warten gibt es nicht. Weder die Behandlungsempfehlung der Fachgesellschaften noch die Fachgesellschaften für ästhetische Chirurgie verlangen, dass Sie mit einer Labienplastik warten, bis Sie keine Kinder mehr möchten. Für ein Abwarten spricht vor allem, dass eine spätere Schwangerschaft die Form wieder verändern kann.

Anders ist es bei einer Senkung der Scheide oder der Gebärmutter mit Beschwerden. Haben Sie noch Kinderwunsch, steht dort zuerst die Behandlung ohne Operation im Vordergrund, etwa Training des Beckenbodens oder ein Pessar. Frauen mit großem Leidensdruck kann nach heutiger Sicht aber auch dann eine Operation angeboten werden. Diese Regel gilt für die Senkung, nicht für die rein ästhetische Labienplastik.

  • Für eine Operation jetzt: Sie leiden schon heute unter Reibung, Schmerzen oder Beschwerden beim Sport.
  • Für eine Operation jetzt: Die einzige Studie fand keinen Grund, vor einer späteren Geburt von einer Labienplastik abzuraten.
  • Für das Abwarten: Schwangerschaft und Geburt können die Form der Schamlippen wieder verändern.
  • Für das Abwarten: Eine Korrektur nach der Geburt ist ein neuer Eingriff, den Sie meist selbst zahlen.

Was Sie Hebamme und Geburtsteam sagen

Keine Quelle beschreibt ein besonderes Vorgehen bei der Geburt nach einer Labienplastik. Trotzdem ist es sinnvoll, den Eingriff in der Schwangerenvorsorge oder spätestens bei der Aufnahme im Kreißsaal zu erwähnen. Dann kann das Team eine alte Narbe richtig einordnen.

Sagen Sie möglichst genau, was operiert wurde: nur die kleinen Schamlippen, mit Schnitt am Rand oder als Keil aus der Mitte, und ob die Klitorisvorhaut dabei war. Haben Sie Beschwerden an der Narbe, etwa Ziehen oder Schmerzen, sprechen Sie das ebenfalls an.

Wenn sich die Schamlippen nach der Geburt verändert haben

Fühlt sich nach der Geburt etwas anders an, klären Sie zuerst, worum es geht. Ein Druckgefühl in der Scheide, eine Vorwölbung am Scheideneingang oder Probleme beim Wasserlassen oder beim Stuhlgang können auf eine Senkung hinweisen. Dafür ist zuerst Ihre Frauenärztin zuständig. Geht es nur um das Aussehen, ist das wieder eine ästhetische Frage wie vor dem ersten Eingriff.

Wen sprechen Sie nach der Geburt zuerst an?

Haben Sie ein Druckgefühl, eine Vorwölbung oder Probleme beim Wasserlassen oder Stuhlgang?

Ja

Gehen Sie zuerst zu Ihrer Frauenärztin. Das können Zeichen einer Senkung sein, die zuerst ohne Operation behandelt wird.

Nein

Geht es Ihnen nur um das Aussehen der Schamlippen?

Ja

Lassen Sie sich Zeit, bis Wochenbett und Narbe abgeheilt sind. Besprechen Sie dann mit einer Ärztin, ob eine Korrektur sinnvoll ist und was sie kostet.

Nein

Beschreiben Sie Ziehen, Schmerzen oder ein verändertes Gefühl an der alten Narbe bei der Nachuntersuchung genau.

Häufige Fragen

Kann ich nach einer Labienplastik normal entbinden?

Ja, nach einer Labienplastik ist eine natürliche Geburt möglich. In der bisher einzigen Studie dazu entbanden 91,8 Prozent der Frauen, die nach dem Eingriff Kinder bekamen, auf natürlichem Weg. Die Studie ist klein und stammt aus einer einzigen Praxis in den USA.

Ist das Risiko für einen Dammriss nach einer Labienplastik höher?

Das lässt sich nicht sicher sagen. In der einzigen Studie gab es nach der Labienplastik bei 17,8 Prozent der Geburten einen Riss oder Dammschnitt, vorher bei 3,1 Prozent. Viele Frauen bekamen nach der Operation aber ihr erstes Kind, deshalb sind die Gruppen schwer vergleichbar.

Sollte ich mit der Labienplastik warten, bis ich keine Kinder mehr möchte?

Sie müssen nicht warten, keine Fachgesellschaft verlangt das. Für ein Abwarten spricht, dass eine spätere Schwangerschaft die Form der Schamlippen wieder verändern kann. Leiden Sie jetzt unter Beschwerden, ist das ein Grund, nicht zu warten.

Muss ich der Hebamme von meiner Labienplastik erzählen?

Eine Pflicht gibt es nicht, aber es ist sinnvoll. Das Geburtsteam kann eine alte Narbe dann richtig einordnen. Sagen Sie, was genau operiert wurde.

Verändert eine Schwangerschaft das Ergebnis meiner Labienplastik?

Ja, das ist möglich. Schwangerschaft, Geburt und das Älterwerden können den Intimbereich verändern, mit und ohne Operation. Wie oft das nach einer Labienplastik passiert, ist nicht untersucht.

Quellen und Methodik

Quellen und Lizenzen

  1. Incidence of Obstetric Lacerations and Episiotomy Following Labiaplasty (Kearney, Turin, Placik, Wattanasupachoke), Aesthet Surg J 2021;41(4):NP185-NP189, PMID 31995160, Aesthetic Surgery Journal, Oxford University Press,
  2. S2k-Leitlinie Rekonstruktive und ästhetische Operationen des weiblichen Genitale, AWMF-Registernummer 009-019, Stand August 2022, Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) mit DGPRÄC, OEGGG und SGGG,
  3. S3-Leitlinie Diagnostik und Therapie des Descensus genitalis der Frau, AWMF-Registernummer 015-006, Version 6.0, März 2026 (Kapitel 12, Empfehlung 12.E85 und Statement 12.S19), Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG), OEGGG, SGGG,
  4. Patienteninformation weibliche Intimchirurgie (anatomische Veränderungen durch Schwangerschaft, Geburt und Lebensalter), Vereinigung der Deutschen Ästhetisch-Plastischen Chirurgen (VDÄPC),
  5. Patientenratgeber Intimkorrekturen, Deutsche Gesellschaft für Ästhetisch-Plastische Chirurgie (DGÄPC),

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Stand dieser Angaben: 3. Oktober 2026.