Welche Risiken eine Intim-OP hat
Jede Operation kann Komplikationen haben, auch eine kleine im Intimbereich. Die Fachgesellschaften für Frauenheilkunde und plastische Chirurgie teilen sie in frühe und späte Komplikationen ein. Über die typischen Risiken muss die Ärztin Sie vor jedem Eingriff ausführlich aufklären: Entzündungen, ein verändertes Gefühl, Schmerzen beim Sex, Verwachsungen, Narben und Veränderungen der Sexualität.
Zu den frühen Komplikationen gehören Nachblutungen. Sie können bis zu 48 Stunden nach der Operation auftreten. Je nach Stärke muss die Ärztin sofort oder später noch einmal operieren. Manche Frauen können nach dem Eingriff kein Wasser lassen. Deshalb bekommen Sie bei größeren Eingriffen für kurze Zeit einen Blasenkatheter. Eine Blasenentzündung behandelt die Ärztin mit einem Antibiotikum, das zum Erreger passt.
Eine Wunde kann sich entzünden, wenn die Naht aufgeht, das Gewebe schlecht durchblutet ist oder sich ein Bluterguss bildet. Im Intimbereich leben viele Bakterien. Meist reicht es, die Wunde auszuduschen und eine keimtötende Salbe aufzutragen. Ob Sie ein Antibiotikum brauchen, entscheidet die Ärztin. Selten ist eine weitere Operation nötig.
| Wann | Was passieren kann | Woran Sie es merken |
|---|---|---|
| Direkt nach der Operation | Nachblutung | Blut läuft nach, ein Bluterguss wird größer, Ihnen wird schwindelig |
| In den ersten Tagen | Sie können kein Wasser lassen | Die Blase drückt, aber es kommt kein Urin |
| In den ersten Tagen | Blasenentzündung | Brennen beim Wasserlassen, häufiger Harndrang |
| In den ersten Wochen | Entzündung der Wunde | Rötung, Schmerz, Wärme und Schwellung nehmen zu |
| In den ersten Wochen | Die Naht geht auf | Die Wundränder klaffen auseinander |
| Nach Wochen bis Monaten | Narbenstränge und Verwachsungen | Ziehen, harte Stellen an der Narbe |
| Nach Wochen bis Monaten | Verändertes Gefühl | Taubheit oder Überempfindlichkeit |
| Nach Wochen bis Monaten | Schmerzen beim Sex, ungleiche Seiten | Schmerzen, die bleiben, oder ein Ergebnis, das Ihrem Ziel nicht entspricht |
Warum es keine Zahlen zu Komplikationen gibt
Wie oft eine Labienplastik zu einer Komplikation führt, weiß in Deutschland niemand genau. Die Behandlungsempfehlung der Fachgesellschaften stellt fest, dass es dafür keine offizielle Statistik gibt. Es gibt auch keine eigenen Erfassungsbögen für Intim-OPs. Die Ärztinnen arbeiten mit sehr unterschiedlichen Techniken, und was als Komplikation gilt, beurteilen Frau und Ärztin oft unterschiedlich.
Zahlen, die im Umlauf sind, stammen meist aus anderen Bereichen. In der Behandlungsempfehlung stehen zum Beispiel 22 Prozent Komplikationen und 0,8 Prozent Todesfälle. Diese Werte stammen aus einer Übersicht über Operationen allgemein, nicht aus der Intimchirurgie. Wer sie auf eine Labienplastik überträgt, vergleicht Äpfel mit Birnen. Auch Unzufriedenheit kann eine Komplikation sein, wenn sie zu einem weiteren Eingriff führt.
Wie die Wunde nach einer Intim-OP heilt
Jede Wunde heilt in drei Phasen, die ineinander übergehen. Zuerst reinigt der Körper die Wunde. Abwehrzellen räumen Bakterien und abgestorbene Zellen weg. Das sieht aus wie eine Entzündung, mit Rötung, Schwellung, Schmerz, Wärme und etwas Wundflüssigkeit. Dann wächst neues Gewebe nach und füllt die Wunde, der Wundgrund ist dabei kräftig rot und feucht. Zuletzt wächst Haut vom Rand her über die Wunde, und es entsteht eine Narbe.
Wie lange das dauert, hängt von der Größe der Wunde und vielen anderen Dingen ab. Ein Hersteller von Wundauflagen nennt als grobe Richtwerte: Reinigung etwa Tag 1 bis 4, neues Gewebe etwa Tag 2 bis 14, Hautschluss etwa Tag 3 bis 21. Eigene Zeiten für die Schamlippen nennt keine Behandlungsempfehlung. Die Narbe reift danach über Monate weiter und wird weicher und blasser.
Reinigung, etwa die ersten Tage
Rötung, Schwellung und etwas Wundflüssigkeit sind normal. Kühlen Sie nach Anweisung, wechseln Sie die Kompressen und achten Sie auf Blutung und Fieber.
Neues Gewebe, etwa die ersten 2 Wochen
Duschen Sie ab Tag 2 ohne Seife, tupfen Sie statt zu reiben und vermeiden Sie Druck, Reibung und Sitzbäder.
Hautschluss, etwa bis Woche 3
Die Fäden lösen sich auf. Gehen Sie zu den Nachkontrollen und belasten Sie die Wunde erst nach der Freigabe.
Narbe, Wochen bis Monate
Die Schwellung geht zurück, die Narbe wird weicher. Erst danach lässt sich beurteilen, ob eine Korrektur nötig ist.
Wie Sie die Narbe in dieser Zeit pflegen, erklärt der Ratgeber zur Narbe nach einer Labienplastik. Rauchen verschlechtert die Durchblutung und stört die Heilung. Hören Sie deshalb möglichst schon vor der Operation auf.
Was nach einer Intim-OP am Gefühl anders sein kann
Eine Intim-OP kann das Gefühl im Intimbereich verändern. Manche Frauen spüren nach der Operation Taubheit, andere eine Überempfindlichkeit. Das kann vorübergehen oder bleiben. Wird an der Klitoris und dem Gewebe um sie herum zu viel entfernt, kann die Klitoris freiliegen und schmerzen. Davon raten die Fachgesellschaften ausdrücklich ab.
Für die Straffung der Scheide mit Laser oder Radiowellen ohne medizinischen Grund gibt es keine guten Studien zu Wirkung und Nebenwirkungen. Die Fachgesellschaften empfehlen diese Verfahren deshalb nur im Rahmen von Studien. Bei Eingriffen an den großen Schamlippen können nach dem Absaugen von Fett Dellen und Unebenheiten entstehen.
- Wird nur der Rand der kleinen Schamlippen geschnitten oder ein Keil aus der Mitte?
- Wird an der Klitorisvorhaut oder um die Klitoris herum operiert?
- Wo liegen die Nähte, und wie fühlen sich solche Narben später an?
- Was passiert, wenn das Gefühl sich verändert, und wer behandelt das?
- Wie oft musste die Praxis im letzten Jahr nachoperieren?
Wann Sie nach einer Intim-OP sofort anrufen
Die Praxis muss sicherstellen, dass Sie bei Schmerzen, Blutungen oder Fieber jederzeit schnell Hilfe bekommen. Dafür bekommen Sie bei der Entlassung eine Telefonnummer. Wie die ersten zwei Wochen ablaufen, erklärt der Ratgeber zum Ablauf einer Labienplastik. Ob ein Zeichen harmlos ist, beurteilt die Ärztin. Die Liste hilft Ihnen zu entscheiden, wie schnell Sie anrufen.
- Sofort anrufen: starke Blutung, ein Bluterguss, der schnell wächst, Schwindel oder Herzrasen beim Aufstehen.
- Sofort anrufen: Fieber, Schüttelfrost oder Wundflüssigkeit, die schlecht riecht.
- Sofort anrufen: Sie können kein Wasser lassen.
- Am selben Tag: Schmerzen, Rötung oder Schwellung werden nach einigen Tagen wieder stärker statt schwächer.
- Am selben Tag: Die Naht klafft auf, oder ein Wundrand verfärbt sich dunkel.
- Beim nächsten Termin: Taubheit, Kribbeln oder Überempfindlichkeit, ein Ziehen der Narbe, Schmerzen beim ersten Sex nach der Freigabe.
Was Sie bei einer Komplikation tun können
Eine Komplikation ist nicht automatisch ein Behandlungsfehler. Ein Fehler liegt vor, wenn die Ärztin nicht so sorgfältig gearbeitet hat, wie es der fachliche Standard verlangt. Tritt ein Risiko ein, über das sie Sie aufgeklärt hat, obwohl sie sorgfältig gearbeitet hat, haftet sie nicht. Ob sie Sie richtig aufgeklärt hat, muss im Streitfall die Ärztin beweisen.
Die Behandlung einer Komplikation zahlt bei gesetzlich Versicherten zunächst die Krankenkasse. War die Operation rein ästhetisch, muss die Kasse Sie aber an den Kosten beteiligen. Das Krankengeld kann sie ganz oder teilweise streichen. Ob die Praxis eine Korrektur ohne Honorar macht, steht nur im Vertrag. Eine gesetzliche Pflicht dazu gibt es nicht.
- Lassen Sie die Komplikation zuerst behandeln, in Ihrer Praxis oder, wenn sie nicht erreichbar ist, in einer Klinik.
- Schreiben Sie Ihre Beschwerden mit Datum auf und machen Sie, wenn möglich, Fotos.
- Verlangen Sie eine Kopie Ihrer Behandlungsakte und des Operationsberichts.
- Vermuten Sie einen Fehler, wenden Sie sich an die Gutachterstelle Ihrer Ärztekammer. Die Prüfung ist für Sie kostenlos.
- Ihre Ansprüche verjähren nach 3 Jahren, gerechnet ab dem Ende des Jahres, in dem Sie vom Schaden erfahren haben.
Häufige Fragen
Wie hoch ist das Risiko für Komplikationen bei einer Schamlippenverkleinerung?
Eine verlässliche Zahl für das Risiko bei einer Schamlippenverkleinerung gibt es nicht. Die Fachgesellschaften stellen fest, dass keine offizielle Statistik existiert. Möglich sind unter anderem Nachblutung, Entzündung, Narben, ein verändertes Gefühl, Schmerzen beim Sex und ungleiche Seiten. Fragen Sie die Praxis, wie oft sie selbst nachoperieren musste.
Wie lange dauert die Wundheilung nach einer Labienplastik?
Die Haut über der Wunde schließt sich nach einer Labienplastik grob in den ersten 3 Wochen. Auf Sex, Sauna, Vollbäder und Tampons verzichten Sie 6 Wochen oder bis die Wunde verheilt ist. Die Narbe reift danach noch über Monate.
Kann eine Labienplastik das Gefühl beim Sex verändern?
Ja, eine Labienplastik kann das Gefühl verändern. Taubheit, Überempfindlichkeit und Schmerzen beim Sex gehören zu den späten Komplikationen. Darüber muss die Ärztin Sie vorher aufklären.
Ist eine Entzündung nach einer Intim-OP gefährlich?
Eine Entzündung nach einer Intim-OP lässt sich meist gut behandeln, wenn sie früh erkannt wird. Oft reichen Ausduschen und eine keimtötende Salbe, manchmal braucht es ein Antibiotikum, selten eine weitere Operation. Rufen Sie bei Fieber, zunehmender Rötung oder Eiter sofort die Praxis an.
Ist eine Komplikation nach einer Intim-OP ein Behandlungsfehler?
Nicht automatisch. Ein Behandlungsfehler liegt nur vor, wenn die Ärztin vom fachlichen Standard abgewichen ist. Die Gutachterstellen der Ärztekammern prüfen einen Verdacht für Sie kostenlos.
